Deutschlandstipendium : In Berlin hakt es zwischen Unis und Unternehmen

Unis und Fachhochschulen in Berlin tun sich weiter schwer damit, private Sponsoren für das neue Stipendiensystem zu gewinnen. Die Unternehmen ziehen nicht mit, klagen Fundraiser.

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Ellenbogen gefragt. Berlins Hochschulen ringen um Stipendien-Sponsoren.
Ellenbogen gefragt. Berlins Hochschulen ringen um Stipendien-Sponsoren.Foto: dpa

Das Nationale Stipendienprogramm bleibt in Berlin umstritten – und seine Umsetzung schwierig. Das ist das Ergebnis einer lebhaften Debatte im Wissenschaftsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Während FDP- und CDU-Vertreter der Senatsverwaltung Halbherzigkeit bei der Popularisierung des neuen Programms vorwarfen, nannten Vertreter der rot-roten Koalition und der Grünen das vom Bundesbildungsministerium initiierte Programm ein „Phantom“, an dem es nichts „Sinnvolles“ zu finden gebe. Das Nationale Stipendienprogramm soll auf lange Sicht zehn Prozent der Studierenden ein zu gleichen Teilen von öffentlicher Hand und privaten Stiftern finanziertes Stipendium ermöglichen. Bisher hat in Berlin einzig die Humboldt-Universität 18 sogenannte Deutschlandstipendien vergeben. Im Herbst sollen 12 weitere folgen, dann möchte auch die TU in die Vergabe einsteigen.

Wie schwer indes die Akquise der Geldgeber in einem Bildungssystem ist, das bisher wenig mit Fundraising zu tun hatte, erklärten Ellen Fröhlich, Leiterin der Forschungsverwaltung der Freien Universität, und Bernd Reissert, Sprecher der Fachhochschulen in der Berliner Landeskonferenz für Präsidenten und Rektoren. So sprach Reissert von einem „beträchtlichen Aufwand“, den nicht nur die Akquise der Sponsoren, sondern auch die Auswahl und Betreuung der Bewerber bedeute. Kosten, die durch einen Zuschuss des Bundes für die Verwaltungskosten in Höhe von sieben Prozent der eingeworbenen Mittel nicht gedeckt seien. Reissert monierte zudem eine fatale Bevorzugung industriestarker Standorte durch die teilprivate Finanzierungspraxis: Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels seien Universitäten an Orten privilegiert, an denen es ausreichend potenzielle Arbeitgeber gebe, die das Stipendium als Rekrutierungsmaßnahme zu nutzen bereit wären. Berlin mit seiner großen Zahl kleiner und kleinster Mittelständler gehöre definitiv nicht dazu.

Dass das Programm als Rekrutierungsplattform nichtsdestotrotz auch für Berliner Unternehmen interessant sei, sagte Marion Heß von der Berliner Industrie- und Handelskammer. Allerdings fühlten sich die Firmen bisher zu wenig in den Auswahlprozess der Bewerber eingebunden. Das stieß bei den Gegnern des Programms auf Widerspruch: So warnte nicht nur Landesastensprecher Arvid Peschel vor einer „Ökonomisierung“ des Bildungssektors. Auch Vertreter von Grünen und Linken kritisierten die „Feudalisierung“ staatlicher Hochschulstrukturen. Gerade in Zeiten, in denen die Unternehmen sowieso verstärkt um Akademiker werben müssten, sei ein subventioniertes Rekrutierungssystem nicht vonnöten.

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