Wissen : „Die Arbeit wird schwieriger“ Neurologin Frauke Zipp über klinische Forschung

Die Charité und die Helios-Kliniken beenden weitgehend ihre institutionelle Zusammenarbeit in Berlin-Buch. Was heißt das für Ihre Arbeit?

2005 bekam ich einen Ruf auf den renommierten Neurologie-Lehrstuhl der Londoner Queen-Mary-Universität, verbunden mit der Leitung der Uniklinik für Neurologie. Der Vorstandsvorsitzende der Charité, Herr Ganten, reagierte mit einem Bleibeangebot. Da habe ich London abgesagt. Seitdem bin ich die Wissenschaftliche Direktorin der Cecilie-Vogt-Klinik in Berlin-Buch, die von Helios und Charité getragen wird. Über diese Möglichkeit habe ich mich sehr gefreut. Nicht nur, weil ich neben einer Münchner Kollegin die einzige Frau auf einem deutschen Neurologie-Lehrstuhl bin. Sondern vor allem, weil ich und meine Kollegen Krankenversorgung und Forschung unter diesem Dach verbinden konnten. Das ist jetzt nicht mehr möglich.

Was ist der Schwerpunkt Ihrer wissenschaftlichen Arbeit?

Ich erforsche Entzündungsprozesse im Gehirn, die bei Multipler Sklerose, aber ebenso bei Schlaganfällen oder der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen. Auch der Sonderforschungsbereich, dessen Sprecherin ich bin, und der Exzellenzcluster Neurocure, bei dem ich die klinische Säule vertreten habe, sind diesen Themen gewidmet.

Was bedeutet der Bruch der Charité mit Helios für Sie persönlich?

Der Helios-Konzern hat mir mitgeteilt, dass ich meine Professur an der Charité aufgeben muss und als Chefärztin voll in die Dienste des Unternehmens treten muss, wenn ich die Klinik weiterhin leiten will. Ich könnte dann auch meinen Sonderforschungsbereich nicht mehr weiterführen und wissenschaftlich interessierten jungen Medizinern keine Perspektive mehr bieten.

Wären Sie damit zufrieden?

Ich stehe für ein Miteinander von Forschung und Krankenversorgung. Diesen Weg gehe ich seit bald 20 Jahren innerhalb der Universitätsmedizin. Ich gehe davon aus, dass die Charité eine adäquate Lösung für meine Klinik an einem anderen Campus bis Ende des Jahres findet – das ist möglich und mir in meinen Bleibeverhandlungen so zugesagt. Sonst ist die klinische Forschung, für die ich und meine Mitarbeiter stehen, am Ende.

Welche Zukunft sehen Sie für die klinische Forschung in Buch?

Vor allem für das Max-Delbrück-Centrum und das Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie wird die Arbeit schwieriger. Ihnen fehlt in Zukunft der klinische Partner vor Ort.

FRAUKE ZIPP (45) ist Neurologin und leitet die Cecilie-Vogt-Klinik in Berlin-Buch, die Charité und Helios bislang zusammen betreiben. Das Interview führte Hartmut Wewetzer.

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