Wissen : Die Bunten sind die Besten

Initiative der „Stiftung Neue Verantwortung“ für mehr Diversität an den Hochschulen

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Der Exzellenzwettbewerb wird kritisiert, seit es ihn gibt. Von Anfang an sahen einige Hochschulen die Gefahr, die Fiktion der Gleichheit aller Universitäten könnte mit dem Wettbewerb endgültig beendet sein. Hier setzt eine Initiative der „Stiftung Neue Verantwortung“ an: Die neun aus dem Exzellenzwettbewerb hervorgegangenen Spitzenuniversitäten würden schon heute 50 Prozent der Topabiturienten mit einem Notendurchschnitt von 1,2 und besser an sich ziehen. Dies habe zur Folge, dass sich an den anderen Universitäten immer stärker durchschnittliche Studenten konzentrieren würden, warnt die in Berlin ansässige Stiftung. Sie stützt sich dabei auf Zahlen der Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Nimmt man noch den Geburtenrückgang hinzu, der vom Jahr 2020 an zu einem massiven Studentenschwund in den Hochschulen führen wird, werde sich diese Tendenz noch verstärken. Die Universitäten, die überregional nicht attraktiv sind, müssten mit einem starken Einbruch ihrer Studierendenzahlen rechnen.

Der Vorschlag der Stiftung Neue Verantwortung basiert auf dem zentralen Anliegen, die Diversität der Studierenden zu fördern. Alle Hochschulen – und damit auch die Eliteuniversitäten – sollten bei der Aufnahme neuer Studenten viel stärker als bisher auf die soziale Herkunft Rücksicht nehmen und nicht nur auf die Abiturbesten blicken. An jeder Hochschule sollte die Heterogenität bei der Zusammensetzung der Studentenschaft als ein Wert angesehen werden. Gemeint ist damit die verstärkte Aufnahme von Ausländern und Nicht-Abiturienten, die ihre Qualifikation über eine Berufsausbildung erworben haben.

Dabei könne man nicht allein den Leitbildern der Universitäten mit ihren hehren Vorstellungen vertrauen. Die Stiftung unterstützt die Idee des Senats von Berlin, den Hochschulen künftig für jeden Studienanfänger ohne Abitur oder mit Migrationshintergrund jährlich 10 000 Euro extra zu geben. Außerdem könnte man die Mobilität der Studierwilligen dadurch fördern, dass man ihnen 2000 Euro als Starthilfe zur Verfügung stellt, sofern sie an einer Universität studieren, die mehr als 100 Kilometer vom Heimatort entfernt liegt.

Erste Reaktionen von Experten sind positiv. Jedenfalls unterstützten die ehemalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), Hans Weiler, international bekannter Bildungsforscher von der Stanford University, und der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes Volker Meyer-Guckel jetzt bei einer Diskussion die Initiative der Stiftung. Weiler verwies auf das Beispiel von Stanford: Die amerikanische Spitzenuniversität gibt 131 Millionen Dollar aus, um Studenten, die sich ein Studium in Stanford nicht leisten können, dennoch an die kalifornische Universität zu holen.

Die Experten bewerteten auch den bisherigen Verlauf der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. Als Bundesforschungsministerin hatte Bulmahn im Januar 2004 die Idee von Eliteuniversitäten zum politischen Programm gemacht. Die Ziele waren, die Leistungen deutscher Universitäten international sichtbarer zu machen und durch die Förderung von Eliteuniversitäten eine hohe Attraktivität für Wissenschaftler und Studierende zu erreichen. Bulmahn bekannte sich jetzt ausdrücklich zu diesen Zielen. Sie bedauerte jedoch, dass aus verfassungsrechtlichen Gründen damals eine Förderung der Lehre im Exzellenzwettbewerb nicht möglich gewesen sei.

Weiler sprach von seinem „Albtraum“, dass es nach dem Auslaufen der Exzellenzinitiative im Jahr 2017 in Deutschland nicht auf Dauer international wettbewerbsfähige Universitäten geben werde. Dass vier Bundesuniversitäten ausgerufen werden könnten, hielten Weiler, Bulmahn und Meyer-Guckel für unwahrscheinlich. Uwe Schlicht

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