Die "Exzellenzstrategie" kommt : Erleichterung nach Exzellenz-Entscheidung

Nachdem die Fortsetzung der Exzellenzinitiative endgültig gesichert ist, reagiert die Wissenschaft erleichtert. Kritik kommt dagegen aus der Wirtschaft.

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Die Freie Universität Berlin ist eine der aktuellen Exzellenzuniversitäten.
Die Freie Universität Berlin ist eine der aktuellen Exzellenzuniversitäten.Foto: picture alliance / dpa

Mit Erleichterung hat die Wissenschaft darauf reagiert, dass die Fortsetzung der Exzellenzinitiative endlich beschlossene Sache ist. „Ein Aufschub der Entscheidung oder gar ein Scheitern wäre eine riesige Enttäuschung gewesen“, erklärte Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität, nannte die Entscheidung "rundum positiv": Sie biete Förderung auf lange Sicht und garantiere, dass herausragende Leistungsfähigkeit in wissenschaftlichen Innovationsfeldern nachhaltig gesichert wird.

Wie berichtet, hatten sich die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin am Donnerstagabend einen Kompromiss verständigt, nachdem Hamburg zuvor mit einem Veto gedroht hatte. Der Beschluss sieht jetzt vor, dass in der ersten Runde auf jeden Fall elf Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde gefördert werden und nicht „acht bis elf“, wie es ursprünglich in der Vereinbarung der Wissenschaftsminister vorgesehen war. Im Jahr 2025 sollen vier neue Universitäten in den Exzellenzkreis aufsteigen können. Sollten dann bei der Evaluation der bestehenden Exzellenzunis weniger als vier absteigen, wird die Zahl der Exzellenzunis dementsprechend erhöht. Steigt überhaupt keine ab, würden also 15 Unis gekürt, gegebenenfalls werden die Mittel dafür aufgestockt. Die Evaluation solle aber auf jeden Fall einen "selektiven Charakter" haben, wurde vereinbart.

Steigt keine Uni ab, werden 2025 15 Unis gekürt

Hamburg, das befürchtet hatte, die Vergabe der Exzellenztitel und -mittel könne zementiert werden, zeigte sich nun zufrieden: Es sei sichergestellt, „dass Unis, die sich anstrengen, aufsteigen können“, erklärte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Bundesministerin Johanna Wanka (CDU) betonte, durch die Möglichkeit des Aufstiegs sei „Dynamik verankert“. Hubertus Heil, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion sagte, der Gewinner der Einigung nicht der Bund oder ein Land, „sondern die Wissenschaft“: „Die Exzellenzstrategie ist sogar besser geworden.“

HRK-Präsident Hippler nannte den Kompromiss einen „akzeptablen Weg“: Die Hochschulen würden die stärkere Durchlässigkeit zu nutzen wissen. Die jetzt „Exzellenzstrategie“ genannte Exzellenzinitiative sei gemeinsam mit dem ebenfalls beschlossenen Wettbewerb „Innovative Hochschulen“ (für kleinere und mittlere Hochschulen) und dem Nachwuchspakt für junge Wissenschaftler eine „Chance, das deutsche Hochschulsystem stärker und international wettbewerbsfähiger zu machen“.

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat, die die „Exzellenzstrategie“ durchführen werden, begrüßten die Einigung. Diese sei eine „gute Grundlage für einen produktiven Wettbewerb, um die durch die bisherige Exzellenzinitiative erreichten Erfolge weiter auszubauen“, teilten DFG-Präsident Peter Strohschneider und Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, gemeinsam mit.

Bisher hatten die Berliner Universitäten erwogen, gemeinsam mit einem Verbundantrag ins Rennen zu gehen. Könnte sich diese Strategie nun angesichts des erweiterten Felds von Exzellenzuniversitäten ändern? Nein, sagte FU-Präsident Alt: "Denn darüber wird nicht strategisch, sondern inhaltlich entschieden. Maßgeblich ist die Frage, mit welchem Antragsansatz wir ein Optimum für unsere Universitäten erreichen.“

Mehr Transfer in die Wirtschaft gefordert

Kritik kam dagegen aus der Wirtschaft: Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und der Bundesverband der Industrie forderten, der Gedanke des Transfers in die Wirtschaft müsse eine größere Bedeutung erhalten.

Die Jusos wiederum kritisierten, Bund und Länder setzen nach wie vor auf die Stärkung einer kleinen Elite „statt auf die nachhaltige Finanzierung aller Hochschulen“.

Für die „Exzellenzstrategie“ – in der neben den dann zunächst elf Exzellenzunis bis zu 50 Forschungscluster gefördert werden – sollen jährlich 533 Millionen Euro ausgegeben werden. Für die „Innovativen Hochschulen“ fließen ab 2018 bis zu 550 Millionen Euro in zehn Jahren, für den Nachwuchspakt ab 2017 eine Milliarde Euro in fünfzehn Jahren.

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