Wissen : Die FU verabschiedet Lenzen

„Wenn Sie alles unter Kontrolle haben, fahren Sie einfach zu langsam.“ So stand es auf einer der Jahreslosungen, die Dieter Lenzen in seinem Amtszimmer an der FU aufzuhängen pflegte. Das Motto stand nicht nur auf dem Papier: „Es war immer was los“, sagte die Vizepräsidentin Ursula Lehmkuhl beim Abschied am Mittwoch Abend im Clubhaus der FU. Lenzen, im Jargon des Präsidialamts schlicht „P“ für „Präsident“ genannt, habe die FU „an ihre Grenze“ geführt – und eine „strukturell hervorragend aufgestellte“ Uni hinterlassen.

Wie schnell sich die FU entwickeln würde, war nicht abzusehen, als Lenzen 2003 sein Amt antrat. Seine Pläne hätten ihn damals zwar „außerordentlich begeistert“, sagte der Kuratoriumsvorsitzende Hans-Uwe Erichsen. „Aber im Hinblick auf den Status Quo der FU war ich skeptisch.“ Tatsächlich habe Lenzen dann sogar noch mehr umgesetzt als angekündigt: „Die FU ist heute eine Top-Adresse im In- und Ausland“, sagte Erichsen.

Klaus von der Heyde vom VBKI sagte, Berlin verdanke Lenzen „einen der größten Erfolge im letzten Jahrzehnt“, den Sieg im Exzellenzwettbewerb. Obwohl nach der Wende alles für die Humboldt-Universität gesprochen habe, habe sich die FU, „ein ungeliebtes Kind von Teilung und Mauerbau“, nicht damit abgefunden, „als Hochschule minderen Ranges“ betrachtet zu werden.

Sogar Hans-Gerd Husung, Staatssekretär für Wissenschaft, ging über Lenzens viele Fouls gegen den Senat sportlich hinweg und lobte ihn großzügig.

Lenzen selbst lieferte erste Eindrücke aus Hamburg: „Die Menschen dort gehen viel langsamer, sprechen viel langsamer und denken wohl auch viel langsamer.“ Sollte ihm das Berliner Tempo fehlen, kann Lenzen jederzeit zurück: Er bleibe weiter FU-Professor, sagte er, da er nur beurlaubt sei, „auf Montage im Hamburger Hafen“. akü

0 Kommentare

Neuester Kommentar