Die Gehirne der Flugvirtuosen : Wie der Schwirrflug der Kolibris möglich wird

Nicht nur die Flugmanöver des Kolibris sind einzigartig. Auch das Gehirn der Vögel nimmt Bewegung anders wahr.

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Spektakulär. Die Flugmanöver der Kolibris sind einzigartig.
Spektakulär. Die Flugmanöver der Kolibris sind einzigartig.Foto: m: Campbell, picture alliance / dpa

Ein Angriff aus dem Hinterhalt ist für die meisten Tiere die größte Gefahr und so schlagen die Nervenzellen in ihrem Gehirn vor allem Alarm, wenn die Tiere aus dem Augenwinkel sehen, dass sie ein Räuber verfolgt. So ist es bei Tauben und bei Zebrafinken, bei Kaninchen und bei Wallabys, bei Schildkröten und bei Salamandern. Nur Kolibris scheren aus, berichten Forscher um Douglas Altshuler von der Universität von British Columbia in Vancouver im Fachblatt „Current Biology“. Die Neuronen in ihren Sehzentren reagieren auf Bewegung aus allen Richtungen gleichermaßen. Besonders heftig feuern sie, wenn sich etwas sehr schnell bewegt. Das bestätige die These, dass der einzigartige Schwirrflug der Kolibris mit Anpassungen des Gehirns einhergeht.

Kolibris gelten als Flugvirtuosen, sie können quasi in der Luft „stehen“, seitwärts und rückwärts fliegen. Bezogen auf ihre Körpergröße gehören sie zu den schnellsten Tieren der Welt. Auch das Balzen ist mit Hochgeschwindigkeits- Flugmanövern verbunden. Angesichts des „Auf-der-Stelle-Schwebens“, während die Vögel Nektar trinken, rechneten die Forscher aber damit, dass die Neuronen auf langsame Bewegung mindestens ebenso reagieren. Sie pflanzten zehn Zebrafinken, acht Kolibris und einigen Tauben Elektroden in ein bestimmtes Sehzentrum ein und zeigten den Vögeln auf seitlichen Bildschirmen Punkte, die sich aus zufälliger Richtung und mit zufälliger Geschwindigkeit auf sie zubewegten. Die Aktivität der Neuronen unterschied sich bei den Kolibris deutlich von der der anderen Vögel. Dies könne den Kolibris unter anderem helfen, während des Nektartrinkens ständig ihre Position zu korrigieren. Zusätzlich hätten sie so vermutlich einen Vorteil beim Balzwettbewerb und bei der Jagd nach Insekten.

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