Die Geschichte des Bafögs : Üppige Zeiten, karge Zeiten

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Der Bund übernimmt das gesamte Bafög – so hat es die große Koalition gemeinsam mit Repräsentanten der Länder im Mai verabredet. Formell soll das bis zum Jahresende beschlossen sein, vorausgesetzt, die Länder stimmen der von der Bundesregierung gewollten Verfassungsreform für die Hochschulen zu. Kommt es zu dem Bafög-Deal zwischen Bund und Ländern, tritt für das Bafög eine Zeitenwende ein. Denn noch nie zuvor hat der Bund das Bafög in dessen 43-jähriger Geschichte allein getragen. Er musste für seine jeweilige Bafög-Politik immer auch eine Ländermehrheit gewinnen. Die Geschichte des Bafögs ist darum von den weltanschaulichen Sichtweisen und den jeweiligen finanziellen Prioritäten der Bundesregierung und der Länderregierungen geprägt. Bundeskanzler Willy Brandt, der das Bafög im Jahr 1971 mit der sozial-liberalen Koalition ins Leben rief, stattete es zunächst üppig aus. Im Jahr 1972 bekamen 45 Prozent der Studierenden Bafög und zwar so viel, dass es die Lebenshaltungskosten fast deckte. Zurückzahlen mussten die Empfänger nichts. Das Bafög löste das „Honnefer-Modell“ ab, das nur besonders leistungsstarke Studierende gefördert hatte. Das neue Bafög passte zum Zeitgeist. Die Hochschulen sollten aus wirtschaftlichen Gründen expandieren, nicht mehr nur Kinder der Oberschicht sollten studieren. Aber schon 1974 wurde ein Teil des Bafögs nur noch als Darlehen gewährt. In weiteren Novellen wurde das Bafög weiter abgespeckt, besonders in den achtziger Jahren unter Bundeskanzler Helmut Kohl. Zwischen 1983 und 1990 gab es das Bafög nur noch als Volldarlehen, Absolventen mussten hohe Schulden abtragen. Das Schüler-Bafög wurde bis auf wenige Ausnahmen abgeschafft. Im Jahr 1988 wurden nur noch 17 Prozent der Studierenden gefördert, im Jahr 1998 bekamen nur noch 12,6 Prozent Bafög. Aktuell sind es bei den Studierenden 28 Prozent. akü

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