Wissen : „Die Musik ist mein größter Motor für alles, was ich tue“

Benjamin Moser ist sehr groß – wenn er sich an den Flügel setzt, hat man kurz Angst, die langen Beine passten nicht darunter. Aber natürlich passen sie doch und er spielt dann mit hinreißender Leichtigkeit die schönste Musik.

Katharina Eulenburg

Moser studiert an der Universität der Künste Berlin Klavier bei Klaus Hellwig, einem Lehrer, den er sehr schätzt. Im Januar hat Moser bei den „Young Concert Artists International Auditions“ den ersten Preis gewonnen. „Das war fast unwirklich“, sagt Moser. „Es war wie im Fernsehen, man steht auf der Bühne und dein Name wird immer wieder erwähnt: Dieser Sonderpreis geht an – Benjamin Moser.“ Das Besondere an diesem Wettbewerb ist, dass die Preisträger ein Solokonzert im Kammermusiksaal der legendären New Yorker Carnegie Hall gewinnen und ein dreijähriges Konzertmanagement.

Eigentlich mag Moser Wettbewerbe nicht. Sie seien antimusikalisch, sagt er. Und: „Man hat das Gefühl, dass man sich den Juroren ausliefert. Sie bewerten die Mühe und die Emotionen mit Punkten. Sie nehmen sich das Recht, jemanden über den anderen zu stellen.“ Aber er weiß, dass Wettbewerbe der einzige Weg sind, sich einen Namen zu machen. „Nur ganz wenige Ausnahmetalente konnten sich dem Diktat der Wettbewerbe verweigern und sind trotzdem berühmt geworden, Arcadi Volodos zum Beispiel.“

Dass Wettbewerbe hilfreich für eine Karriere sind, bestätigt auch Beate Roesner. Sie leitet das Künstlerische Betriebsbüro der Fakultät Musik der UdK Berlin. „Für große Engagements gilt häufig, dass man an Wettbewerben gemessen wird“, sagt sie. „Agenturen, Konzertveranstalter und Orchester nehmen gerne Musiker unter Vertrag, die sich in Wettbewerben ausgezeichnet haben.“

Benjamin Moser spricht schnell und erzählt frisch, mit einer tiefen, beinah singenden Stimme. Er hat zuerst Flöte gespielt, „das fand ich irgendwann ziemlich doof“, mit sechs Jahren hat er dann angefangen Klavier zu spielen. „Ich habe aber erst mit 16 beschlossen, Musik zu studieren.“ Auch Arzt, Mathematiker oder Pfarrer wäre er gern geworden. Seine Eltern sind beide Musiker und haben ihm vorgelebt, „dass man mit Musik seinen Lebensweg gehen kann“. Und: „Die Musik ist mein größter Motor für alles, was ich tue. Ich langweile mich nie mit der Musik.“

Moser gehört zu den Pianisten, die gerne vor Publikum spielen. Er möchte seine Emotionen mitteilen, berühren. Noch studiert Moser in der Meisterklasse von Klaus Hellwig. Gerade hat er mehrere Preise beim Tschaikowsky- Wettbewerb in Moskau gewonnen, einem der bedeutendsten Wettbewerbe für klassische Musik. Er ist zielstrebig dabei, sich einen Namen zu machen. Angst, sich irgendwann zu langweilen, hat er nicht. „Das Schöne an der Musik ist, dass man nie am Ende angekommen ist“, sagt er. „Man kann sie immer wieder neu entdecken.“ Katharina Eulenburg

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