Wissen : Die Professur als Ehrenrettung Eine Umfrage auf dem Campus der FU

Nele Pasch
Foto: Nele Pasch
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Wie urteilen Studierende und Dozenten im Fall Schavan? Muss sie als Ministerin für Bildung und Forschung zurücktreten und sollte die Freie Universität Berlin (FU) die ihr verliehene Ehrenprofessur zurückziehen? Wir haben auf dem Campus in Dahlem herumgefragt.

Serge Pluciak, 34,
Student der Philosophie, findet, dass Schavan nicht mehr zu halten ist: „Als Bildungsministerin ist sie dafür da, Richtlinien vorzugeben und für ihre Einhaltung zu sorgen. Jetzt kann sie diese nicht einmal mehr selbst erfüllen. Wie soll sie da noch glaubwürdig sein? Das ist so, als ob der Verkehrsminister betrunken Auto fährt. Das ist nur noch peinlich.“

Hinzu kommt, dass der Doktorgrad ihr einziger akademischer Titel ist. „Wenn der weg ist, kann sie nicht mehr Bundesministerin bleiben. Das ist absurd. Sie ist dadurch unglaubwürdig geworden und würde dem Amt großen Schaden zufügen. Ich würde die Bundesregierung nicht mehr ernst nehmen können“, sagt die Politikstudentin Constanze Bosecker, 27.

Auch Schavans Fachkollege Jörg Nicht, 39, Dozent der Erziehungswissenschaften, ist der Ansicht, dass Schavan unter diesen Umständen nicht mehr tragbar ist. „Wenn der Titel weg ist, muss sie zurücktreten.“ Anders aber die Ehrenprofessur. „Diese hat sie für ihre Lebensleistung erhalten und die kann auch weiterhin gewürdigt werden.“ Viele teilen diese Meinung. Die Professur der FU sei ihr unabhängig von ihrer Rolle als Politikerin verliehen worden. Philipp von der Linden, 39, geht noch einen Schritt weiter. Der Sprachwissenschaftler will Schavan weiterhin im Ministeramt sehen, schließlich habe sie die Arbeit vor mehr als 30 Jahren geschrieben. Damals noch mit Karteikarten und einer Schreibmaschine. „Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass es damals noch viel aufwendiger und schwieriger war, wissenschaftlich zu arbeiten. Das kann man doch anerkennen. Schavan soll Stellung beziehen, aber im Amt bleiben, sie leistet doch gute Arbeit. Alles andere fände ich übertrieben.“

Übertrieben und bedenklich finden auch viele die Beharrlichkeit derer, die sich akribisch die Mühe machen, anderer Leute Fehler aufzudecken. Nele Pasch

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