• „Die Räte durchlüften die Unis“ Was Hochschulräte für die Unis wirklich leisten

Wissen : „Die Räte durchlüften die Unis“ Was Hochschulräte für die Unis wirklich leisten

von

An der Frage, wieweit die Mitbestimmung von Assistenten, Studenten, Dienstkräften und Professoren in den Hochschulgremien gehen soll, scheiden sich die Geister. Unlängst hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Generalkritik an den Hochschulräten geübt. In den Hochschulräten dominiere die Arbeitgeber- und Wirtschaftslobby. Nicht einmal im Ansatz würden sie die Vielfalt der Gesellschaft abbilden. Entscheidungen würden weder besser noch schneller gefasst, sondern „zunehmend der demokratischen Kontrolle entzogen“, heißt es in einer Stellungnahme vom Mai.

Jetzt hat sich die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung mit den Hochschulräten befasst. Rolf Heinze, Arbeitssoziologe an der Universität Bochum, will die Generalkritik des DGB nicht teilen: „Die Hochschulen bekommen von den Räten externen Sachverstand. Das durchlüftet die Hochschulen und tut dem Klima gut.“

In Deutschland kamen die neuen Hochschulräte in den 90er Jahren auf. Der Stifterverband dachte damals bei einer Tagung in der Villa Hügel darüber nach, wie amerikanische Erfahrungen mit mächtigen Präsidenten und einem „Board of Trustees“ mit deutschen, akademischen Traditionen in Einklang zu bringen seien. Pioniere auf diesem neuen Weg waren die Berliner Universitäten, an der Spitze marschierte die Humboldt-Universität.

Bevor die Hochschulräte eingeführt wurden, gab es in Berlin Kuratorien, die nach dem Muster von Rundfunkräten mit Funktionären von Parteien, Gewerkschaften, Arbeitgebern und Vertretern wichtiger Senatsverwaltungen besetzt waren. Die Folge: In den Kuratorien wurden politische Debatten fortgesetzt, die eigentlich ins Abgeordnetenhaus gehörten.

In den Hochschulräten, in Berlin „Kuratorien neuer Art“ genannt, haben dagegen nicht mehr Funktionäre, sondern ausgewählte Persönlichkeiten aus der Wissenschaft, der Wirtschaft oder der Kultur das Sagen. Sie beraten nicht nur die Präsidenten bei strategischen Fragen. Sie öffnen auch den Blick der Hochschulen auf die Region.

In der Friedrich-Ebert-Stiftung bekannte sich der ehemalige Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) zu den Räten: „Die Hochschule hat nur dann eine Zukunft, wenn sie autonom ist und sich der Staat zurückzieht.“ Insofern sei es nur folgerichtig, dass die neuen Hochschulräte Funktionen übernähmen, die früher der Staat wahrgenommen habe.

Natürlich sind auch Hochschulräte nicht frei von Schwächen und Irrtümern. Die Präsidentensuche an der Humboldt-Universität bietet Beispiele für problematische Vorschläge, die eine Findungskommission des Hochschulrats und des Akademischen Senats präsentierten. Uwe Schlicht

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben