Wissen : Die Reifeprüfung

Vor dem Studium zum Eignungstest: Was auf Bewerber zukommt – und wie sie sich vorbereiten können

Tina Rohowski,Tilmann Warnecke

Das Abitur ist nicht die letzte Prüfung auf dem Weg zur Uni – das gilt in diesen Tagen bundesweit für Studienbewerber. Sie müssen noch Eignungstests absolvieren, deren Ergebnis mit entscheidet, ob sie einen Studienplatz erhalten. Mehr als 7000 Bewerber schwitzten jetzt über einem Medizinertest: Die von früher bekannte Eignungsprüfung sollen wieder alle angehenden Ärzte in Baden-Württemberg ablegen. Demnächst folgen Tests für andere Fächer, etwa für Psychologie an der Freien Universität Berlin. Möglich sind solche Prüfungen, da die Länder den Unis größeren Freiraum bei der Studentenauswahl eingeräumt haben. Diesen beginnen einige Hochschulen jetzt zu nutzen. Hier die wichtigsten Informationen.

WO ES TESTS GIBT

Tests gibt es bisher vor allem in Massenfächern. Nur hier lohnt sich die Entwicklung eines Tests wirklich, heißt es aus den Unis. Neben dem Medizinertest ist inzwischen für mehrere wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge eine Eignungsprüfung vorgesehen, teilnehmen sollen Bewerber der Fachhochschulen in Bayern und Baden-Württemberg sowie der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin (FHW). In der Hauptstadt lädt daneben die Freie Universität angehende Psychologiestudenten, Pharmazeuten und Tiermediziner zu einer Prüfung ein. Auch einige geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer verlangen einen Zulassungstest, etwa die Geschichts- oder Politikwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Uni in München oder die Germanisten und Kunsthistoriker an der TU Karlsruhe.

WAS ABGEFRAGT WIRD

Eignungstests müssen auf das angestrebte Studienfach abgestimmt sein. Sie dürfen, so schreiben es die Ländergesetze vor, nicht einfach die allgemeine Studierfähigkeit abprüfen. In den Tests soll es jedoch nicht darum gehen, schon akademisches Fachwissen nachzuweisen – also etwa medizinische Begriffe oder wirtschaftswissenschaftliche Theorien. „Die Prüfungen sind für Abiturienten gedacht, die sich das Fachwissen erst im Studium aneignen“, sagt Kristine Heilmann, Geschäftsführerin der ITB Consulting. Das Institut hat die Mehrzahl der Studieneingangstests entwickelt. Es gehe um „kognitive Fähigkeiten, die im jeweiligen Studienfach nötig sind“. Angehende Mediziner müssen etwa räumliches Vorstellungsvermögen beweisen, während Bewerber für wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge im Test Diagramme und Tabellen analysieren. Der Psychologentest prüft Kenntnisse in Englisch, Mathematik und Biologie sowie das „psychologiespezifische Textverständnis“, sagt der Psychologe Oliver Wilhelm, der den Test entwickelt hat. Der Geschichtstest an der Ludwig-Maximilians-Uni fragt historische Kenntnisse ab.

WIE MAN SICH VORBEREITET

Vorbereitungsbroschüren für die Tests können im Internet heruntergeladen werden. Sie stellen den Testablauf sowie die einzelnen Fragetypen vor. „Bewerber sollten die Musteraufgaben, die dort aufgelistet sind, durcharbeiten“, empfiehlt Kristine Heilmann. Mittlerweile haben sich auch kommerzielle Anbieter darauf spezialisiert, Studienbewerber vorzubereiten. In ein- oder zweitägigen Seminaren werden Prüfungen simuliert und ausgewertet. Das Interesse an solchen Kursen hätte deutlich zugenommen, sagt Heinz-Georg Schlamelcher, der ein privates Trainingsinstitut in Köln leitet. Bis zu 290 Euro kosten seine Kurse. Wer sich mithilfe kommerzieller Anbieter auf den Medizinertest vorbereiten will, muss meist sogar mehr als 700 Euro für ein fünftägiges Seminar zahlen. Ob diese Kurse wirklich die Erfolgschancen steigern, ist allerdings umstritten. Die Anbieter behaupten, die Erfolgsquote der Bewerber, die keinen Vorbereitungskurs absolviert haben, sei deutlich geringer. Laut Kristine Heilmann fallen die Trainingserfolge dagegen „eher bescheiden“ aus. Es reiche völlig, sich mit den frei erhältlichen Materialien vorzubereiten.

WIE VIEL TESTS ZÄHLEN

In der Regel können Bewerber ihre Abiturnote um einige Zehntelpunkte verbessern, heißt es unisono aus allen Unis. Hoffnungen schwächerer Bewerber, mit einem überragenden Test eine unterdurchschnittliche Abinote wettzumachen, müssten dagegen enttäuscht werden. Ein Abiturient mit einem Schnitt von 3,5 könne sich etwa kaum in den Bereich von 2,0 oder besser vorarbeiten. Grund dafür sind die gesetzliche Vorgaben: Der Abiturschnitt muss bei der Verrechnung von Note, Test und weiteren Zulassungskriterien wie Auswahlgesprächen weiterhin einen „maßgeblichen Anteil“ haben; der Test darf nicht mehr wert sein als die Note. Vorteilhaft sei der Test „vor allem für Bewerber, die sich mit ihrer Abiturnote im Grenzbereich des Numerus clausus bewegen“, sagt Gert Bruche, Prorektor der FHW Berlin. In hart umkämpften Fächern mit hunderten Bewerbern könne ein gutes Testergebnis Abiturienten das entscheidende Zehntel bringen, das den Studienplatz sichert.

WER TEILNEHMEN MUSS

Viele Eignungsprüfungen sind freiwillig – weil die Tests etlichen Abiturienten noch unbekannt sind und die Hochschulen auf zu viele Bewerber verzichten müssten, falls sie alle Abiturienten ohne Test abweisen würden, heißt es bei den Organisatoren. Wer den Test nicht absolviert, erhält aber oft einen „Malus“. Der Test wird dabei – wie an der FHW Berlin – mit der schlechtestmöglichen Note von 4,0 gewertet und könnte die Abiturnote um wertvolle Zehntel nach unten ziehen. Keinen Test absolvieren müssen dagegen die Bewerber mit den besten Abiturnoten. Für sie ist an jeder Hochschule unabhängig vom Test ein bestimmter Anteil an Plätzen reserviert, in der Regel 20 Prozent der Plätze. Von Fach zu Fach kann der dafür nötige Abiturschnitt stark schwanken. Während Medizinbewerber oft eine 1,2 oder 1,3 mitbringen müssen, gehörte man bisher an der FHW häufig noch mit einem Schnitt von 2,0 zu den Abiturbesten, sagt Gert Bruche. Wo die Tests freiwillig sind, wie eine Nicht-Teilnahme gewertet wird und ab wann man zu den Abiturbesten gehören könnte, sollten Bewerber bei den Unis erfragen.

WIE OFT TESTS ABGELEGT WERDEN

Der Medizinertest und die Prüfung für wirtschaftswissenschaftliche Fächer können nur einmal abgelegt werden. Teilnehmer erhalten ein Zertifikat, mit dem sie sich auch über das nachfolgende Semester hinaus bewerben können. Es gilt an allen Hochschulen, die den Test verlangen. Für die Eingangstests der Geistes- und Sozialwissenschaften hat jeder Studieninteressierte zwei Versuche.

WIE VIEL DIE TESTS KOSTEN

Das kann von Uni zu Uni unterschiedlich sein und hängt auch von den Ländergesetzen ab. So sollte der Wirtschaftstest eigentlich für alle Bewerber 50 Euro kosten – auch an der FHW Berlin. Das Land Berlin hat jedoch in seinem Hochschulzulassungsgesetz 25 Euro als Obergrenze für Bewerbungsgebühren festgelegt. Als der Senat vom Vorhaben der FHW Wind bekam, untersagte er daher der Hochschule, das Geld zu kassieren. Die FHW erstattete daraufhin die gesamten 50 Euro an alle Bewerber zurück, die die Gebühr bereits gezahlt hatten. In anderen Bundesländern nehmen die Hochschulen aber weiterhin 50 Euro für den Wirtschaftstest. So viel wird auch für den Medizinertest fällig. An der FU Berlin soll der Psychologentest 25 Euro kosten, Pharmazie und Tiermedizin sind kostenlos.

WO MAN SICH BEWIRBT

Die Bewerbung ist meist online möglich, die Hochschulen informieren über das Bewerbungsverfahren. Bei Fächern wie Medizin, Pharmazie und Tiermedizin, die bundesweit über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) vergeben werden, hilft auch die ZVS weiter. Achtung: Bei den ZVS-Fächern müssen sich Abiturienten weiterhin zusätzlich über die Zentralstelle um ihren Studienplatz bewerben – unabhängig vom Test.

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