Die TU Berlin vor der Präsidentenwahl : Kandidaten mit Hirsch-Faktor

Der Wahlkampf an der TU Berlin ist eröffnet. Am Mittwochabend traf TU-Präsident Jörg Steinbach zu einer ersten Debatte auf seinen Herausforderer, den Physiker Christian Thomsen. „Gleichstellung, Frauenförderung und Diversity“, lautete das Thema.

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Der Lichthof des TU-Hauptgebäudes Foto: Elke Weiss
Der Lichthof des TU-HauptgebäudesFoto: Elke Weiss

Eingeladen hatte der Beirat der Zentralen Frauenbeauftragten der TU. Wegen der vielen Neugierigen war die Begegnung kurzfristig in einen Hörsaal verlegt worden. Wie Merkel und Steinbrück im TV-Kanzlerduell debattierten Steinbach und Thomsen im Stehen.

Die Psychologie-Professorin Angela Ittel, Sprecherin des Beirats, forderte die Kandidaten auf, in nur einem Satz auf die Frage zu antworten: „Was fällt Ihnen zur Gleichstellung ein?“ – „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“, sagte Steinbach. „Dass Frauen und Männern die gleichen Rollen zugestanden werden“, sagte Thomsen.

Am 8. Januar wählt die TU ein neues Präsidium. Vor vier Jahren hat der Prozesswissenschaftler Steinbach den Mathematiker Martin Grötschel besiegt. Eine Präsidenten-Wahl à la Humboldt-Uni, wo das Kuratorium Konkurrenz für seinen Wunschkandidaten bei den letzten zwei Wahlen gar nicht erst zuließ, gibt es an der TU auch diesmal nicht.

Steinbach verwies am Mittwochabend auf Erfolge: 32 Prozent der TU-Studierenden sind weiblich, 20 Prozent der Professuren sind mit Frauen besetzt. Thomsen hält die Fortschritte für zu klein. Die Lehrpläne müssten interdisziplinärer ausgerichtet werden, um mehr Studentinnen anzusprechen. In den Berufungskommissionen müssten die Frauenquoten erhöht und durchgesetzt werden.

Christian Thomsen Foto: David Ausserhofer
Christian Thomsen.Foto: David Ausserhofer

Dazu meldete sich aus dem Publikum die Informatik-Professorin Anja Feldmann zu Wort: Die Quote in den Berufungskommissionen sei „negative Diskriminierung“. Da es so wenige Frauen an der TU gibt, würden sie dadurch überproportional viel Zeit für die Forschung verlieren. Steinbach stimmte zu: „Die Quote darf nicht zum Dogma werden.“ Für die Lehre schlägt der Präsident vor, Genderaspekte in nennenswertem Umfang in alle Studiengänge zu integrieren.

Jörg Steinbach Foto: TU Berlin/Ulrich Dahl
Jörg Steinbach.Foto: TU Berlin/Ulrich Dahl

Beide Kandidaten gewichteten am Mittwoch zwar einzelne Aspekte unterschiedlich, aber beide stellten fest, die Frauenfrage sei für sie „Chefsache“. Umso mehr studierte das Publikum die Unterschiede in den Persönlichkeiten. Thomsen trat als zurückhaltender, aber bestimmter Konkurrent in Erscheinung. Dass er wissenschaftliche Strahlkraft besitzt, ließ er anfangs durchblicken. Auf seinem an die Wand gebeamten Lebenslauf wies er seinen hohen „Hirsch-Faktor“ aus, also jenen Faktor, der die Geweihgröße eines Professors nach der Zahl seiner Zitationen in den Fachzeitschriften misst (benannt ist der „Hirsch-Faktor“ aber nach dem argentinischen Physiker Jorge E. Hirsch, der ihn erfand). Steinbach kann Thomsen bei den Zitationen sicher nicht überrunden, einen hohen „Hirsch-Faktor“ hat er gleichwohl: Als intimer Kenner der TU und als Amtsinhaber präsentierte er sich selbstbewusst und zunehmend locker.

So ging das Duell nach Meinung vieler Zuhörerinnen am Ende unentschieden aus. Eine weitere Debatte soll es am 11. Dezember geben.

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