Wissen : Die Uni Mainz kann’s alleine

31.03.2011 16:27 UhrVon Anja Kühne

Erste Hochschule prüft Studiengänge selbst

„Muss man in jedes einzelne Brötchen beißen, um zu wissen, ob der Bäcker gut ist?“, fragt Georg Krausch, Präsident der Universität Mainz. Natürlich nicht. Es reichen Stichproben und ein genauer Blick in die Backstube. Was für Bäckereien selbstverständlich ist, galt jedoch bislang für Hochschulen keineswegs. Von tausenden Studiengängen wird jeder einzelne von den Akkreditierungsagenturen genau begutachtet und schließlich mit einem „Geprüft“-Siegel versehen. Ein für die Hochschulen zermürbendes und teures Verfahren (15 000 bis 20 000 Euro pro Studiengang), das dennoch oft kaum studierbare Programme in die Welt entließ.

Krauschs Uni könnte jetzt eine Wende einleiten.

Sie ist die erste Deutschlands, die fortan nicht mehr jeden einzelnen Studiengang überprüfen lassen muss („Programmakkreditierung“). Statt dessen hat sie das Siegel einer Akkreditierungsagentur für ihr eigenes Qualitätsmanagement bekommen („Systemakkreditierung“). Das erlaubt es der Uni Mainz, ihre Studiengänge nun selbst einem Check zu unterziehen, mittels ihres „Zentrums für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ)“. „Das ist für uns ein immenser Zugewinn an Autonomie“, sagte Krausch am Donnerstag in Berlin.

Mehr Autonomie: Das wünschen sich alle Hochschulen. Doch selbst wenn die Systemakkreditierung seit 2008 möglich ist, steht sie erst einem Dutzend Hochschulen bevor, darunter Potsdam und Bayreuth. Die meisten Hochschulen zögern, weil auch das neue Verfahren als aufwendig gilt.

Krausch kann das nur bestätigen. Obwohl die Uni schon seit Jahren ihr Qualitätsmanagement entwickelt, musste sie sich seit 2006 zusätzlich anstrengen und gezielt auf die Systemakkreditierung hinarbeiten. Schließlich wurden das ZQ und 12 der 150 Studiengänge langwierig untersucht. 100 Gutachter waren involviert. Sie sichteten Unterlagen, die einen Kleinlaster hätten füllen können, wie Thomas Reil, Geschäftsführer der Akkreditierungsagentur Acquin, sagte. Alleine an Acquin zahlte die Uni Mainz 100 000 Euro.

Für die Uni wird sich der Aufwand aber lohnen. Zwar wird das neue System keineswegs weniger kosten als die Programmakkreditierung (bis zu 600 000 Euro im Jahr). Aber die Uni gibt ihr Geld nun für ihre eigene Verwaltung aus. Zugleich kann sie Schwächen der alten Akkreditierung abstellen: „Die Begutachtung einzelner Studiengänge führt nicht dazu, dass die ganze Institution lernt“, berichtete Reil. „Die Mängel werden immer wiederholt.“ Die interne Akkreditierung biete Beratung schon von Anfang an. Sie werde auch auf größere Akzeptanz beim Lehrpersonal stoßen, das dann „aus Lust am Wettbewerb“ mitwirken werde, wie Thomas Kathöfer, Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, sagte.

Reinhold R. Grimm, der Vorsitzende des Akkreditierungsrats, versprach, die Systemakkreditierung werde billiger und einfacher werden. Schließlich sei ihr Ziel ja, die „auf Dauer unerträgliche Bürokratisierung“ durch die Programmakkreditierung zu überwinden: „Die Detailsteuerung muss jetzt weg.“ Anja Kühne

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