Wissen : Die Uni – so klappt’s

Das Semester beginnt: Was Studienanfänger erwarten – und welche Tipps ihnen erfahrene Kommilitonen geben

Wie finde ich mich an der Uni zurecht? Schaffe ich es, neben dem Studium zu jobben? Fragen wie diese rücken ab heute wieder für zehntausende Studierende in den Vordergrund: Das Wintersemester beginnt an Berlins Hochschulen. Für etwa 16 500 Studierende startet morgen sogar ein ganz neuer Lebensabschnitt: Als Erstsemester beginnen sie ihre Unilaufbahn. Wir haben zwei Studienanfänger gefragt, was sie von ihrem Studium erwarten. Ihnen antworten zwei Kommilitonen aus höheren Semestern – sie erklären, wie man den Unialltag am besten meistert.



Gloria Hampel (19),

Bachelor Kunstgeschichte/Geschichte/Publizistik, Freie Universität, 1. Semester



Schon während der Schulzeit war ich mir sicher, dass ich unbedingt studieren will. Im Juli habe ich dann nach dem Abitur gleich an 13 Universitäten eine Bewerbung geschickt. 11 Zusagen kamen zurück, auch eine von der FU. Dass es in Berlin geklappt hat, freut mich besonders, weil ich so weiter bei meinen Eltern wohnen kann. Auch lebt mein Freund hier.

Bei der Vorbereitung auf den Semesterstart habe ich gemerkt, dass ein Studium eine große Umstellung zur Schule bedeutet. Man muss sich um alles selbst kümmern – um den Stundenplan, Bücher und um Anmeldungen für alle Kurse. Im StudiVZ, wo ich seit August Mitglied bin, hat mich vor kurzem eine andere Studentin angeschrieben, die auch im ersten Semester Kunstgeschichte an der FU studiert. Jetzt können wir gemeinsam auf die Suche nach den richtigen Seminarräumen gehen.

Ich werde versuchen, den Bachelor in sechs Semestern durchzuziehen. Nach dem ersten Abschluss soll noch ein Master folgen. Ein Auslandssemester in Frankreich oder Italien würde ich auch gern machen. Bafög bekomme ich nicht. Meine Mutter ist eine Richterin, mein Vater Staatsanwalt im Ruhestand. Ob sich ein Nebenjob und das Studium vereinbaren lassen, werde ich in den nächsten Wochen herausfinden. Während des Sommers habe ich als Küchenhilfe in einem Restaurant in Berlin-Mitte gearbeitet. Dort möchte ich auch in Zukunft jobben, aber nur am Wochenende.

Kevin Hönicke (23), Bachelor Mathematik/Physik mit Lehramtsoption, Humboldt-Universität, 1. Semester

Mathe und Physik waren schon in der Schule meine Lieblingsfächer. Damals konnte ich mir auch gut vorstellen, Lehrer zu werden. Aber Abitur machen? Das hat mich abgeschreckt. Also habe ich nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht. Der Berufswunsch Lehrer blieb. Deshalb habe ich mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt.

Für die Humboldt-Uni habe ich mich entschieden, weil sie in den Rankings, die ich kannte, immer ganz gut abschnitt. Das neue System mit Bachelor- und Master finde ich gut, weil man strukturierter studiert. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich nach dem Bachelor noch einmal umorientieren kann. Falls ich nach dem ersten Abschluss doch nicht Lehrer werden möchte, kann ich auch eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen.

Mein Stundenplan fürs erste Semester steht schon fest. Leider überschneiden sich Lehrveranstaltungen, so dass ich nicht alle empfohlenen Kurse besuchen kann. 24 Semesterwochenstunden stehen in meinem Plan, ich werde von montags bis freitags an der Uni sein. Meinen Nebenjob in einer Videothek kann ich daher nur abends machen. Andere Lehramtsstudenten haben mir schon berichtet, dass sie zu wenig praktische Erfahrungen sammeln. Es komme zu kurz, wie Kinder lernen oder wie man mit „Problemschülern“ umgehen sollte. Ich werde mir viele Bücher besorgen und Lehrer um Tipps bitten. Zudem arbeite ich seit Jahren als Nachhilfelehrer. Hoffentlich werde ich auch dafür weiterhin Zeit haben.

Maria Graaf (21), Bachelor Deutsch/Englisch mit Lehramtsoption, Humboldt-Universität, 5. Semester

Als ich mit dem Studium anfing, kursierten viele Schreckensnachrichten über den Bachelor. Ich habe immer versucht, mich davon nicht beeindrucken zu lassen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mein Studium innerhalb der vorgesehenen sechs Semester abschließe. Man muss sich gut organisieren können. Niemand sollte sich einen Stundenplan mit mehr als 30 Wochenstunden auflasten. Ich kenne Studenten, die 34 Stunden in Kursen saßen und sich total überforderten. Ich komme auf 22 bis 24 Wochenstunden – das Pensum ist zu schaffen.

Im März habe ich mein vierwöchiges Orientierungspraktikum an einem Gymnasium absolviert. Ich durfte dort auch selbst Stunden geben. Normalerweise hätte ich nur als Beobachterin in der Klasse sitzen sollen. Mein Rat an alle Lehramtsstudenten: Versucht, so viel wie möglich zu unterrichten und selbst zusätzliche Praktika zu organisieren!

Im nächsten Jahr will ich für ein Jahr in die USA gehen und an einer Hochschule als „Teaching Assistant“ arbeiten. Während des Bachelor-Studiums einen Auslandsaufenthalt einzulegen, ist schwierig. Deshalb mache ich das zwischen Bachelor und Master. Für mein Jahr in den USA erhalte ich wahrscheinlich ein Stipendium des Instituts „International Education of Students“. Als ich davon hörte, wollte ich mich zunächst nicht bewerben. Ich dachte, dass die Chancen auf eine Förderung gering sind. Aber: Oft scheint es für ein Stipendium nur wenige Bewerber zu geben – vielleicht ja, weil viele Studenten glauben, die Aussichten seien schlecht.



Kareen-Kim Feldhoff (24), Bachelor Architektur, Technische Universität, 5. Semester

Unser Jahrgang ist der erste, der an der TU Architektur als Bachelor-Fach studiert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, Probleme mit dem Bachelor am Institut offen anzusprechen. Manchmal verbringe ich bis zu 30 Wochenstunden an der Uni, da wir viele aufwändige Entwürfe und Präsentationen erarbeiten. Wer nebenbei Geld verdienen muss, kann versuchen, eine Stelle als Hilfskraft an der Uni zu bekommen. Man verdient sehr gut und man lernt fachlich dazu. Stellen hängen an den Schwarzen Brettern aus. Es kann sich auch lohnen, an den Lehrstühlen nachzufragen.

Was der Bachelor-Abschluss wert ist, wissen wir alle noch nicht. Ich möchte zunächst Erfahrungen im Beruf sammeln. Damit später der Berufseinstieg besser gelingt, können auch Praktika oder ein Nebenjob bei einem möglichen Arbeitgeber sehr hilfreich sein. Einige Studenten, die ich kenne, haben ihre Kontakte genutzt und profitieren nun nach dem Studium davon.

Aufgezeichnet von Tina Rohowski

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