DIE ENTSTEHUNG NEUER ARTEN : Ein afrikanischer See als Werkstatt der Natur

Das Jahr 1858 ist nicht nur die Geburtsstunde der Evolutionstheorie, sondern war noch aus anderen Gründen für die Wissenschaft wichtig. 1858 wurde der niederländische Armeearzt und Anthropologe Eugène Dubois geboren. Er ließ sich 1887 auf die Sundainseln im heutigen Indonesien versetzen. Dubois war überzeugt, dass Darwin mit seiner Annahme Unrecht hatte, dass der Mensch aus Afrika stammt. Dubois findet auf Java 1891 als Erster fossile Überreste von Vorfahren des Menschen und begründet so die Paläoanthropologie. Ihr verdanken wir die Einsicht, dass unsere Ahnenlinie mehr als sechs Millionen Jahre zurückreicht – und wir ursprünglich tatsächlich alle Afrikaner waren. Einmal mehr hat Darwin recht behalten.

Auf der Suche nach den Quellen des Nils erreichen die britischen Geografen und Abenteurer Richard Burton und John Hanning Speke 1858 von der Ostküste Tansanias aus einen großen Inlandsee, den Tanganjika, im Westen des ostafrikanischen Grabenbruchsystems. An seinem östlichen Ufer finden sie Schneckenschalen, die der Londoner Zoologe John Woodward als Überlebende eines urzeitlichen Meeres deutet. Sie heizen damit das Interesse von Forschern an, denen dieser urzeitliche Riesensee bis heute als Naturlaboratorium dient. In dieser gleichsam Darwin’schen Werkstatt können sie der Natur bei der Arbeit über die Schulter schauen. Das Studium der im See seit Äonen überlebenden Organismen gibt ihnen Einblick in das große Rätsel, das Darwin als das „Geheimnis der Geheimnisse“ bezeichnete: die Entstehung neuer Arten – und damit das ewige Werden und Vergehen des Lebens. (mgl)

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