DIE GROESSTEN BIOBANKEN : Millionen Proben und ein umstrittenes Gesetz

Die vor rund 30 Jahren gegründete Biobank der medizinischen Universität in Graz gilt mit fast 6 Millionen Blut- und Gewebeproben von mehr als einer Million Spendern als die derzeit größte Sammlung in Europa. Sie dient der Erforschung von häufigen Erkrankungen in der österreichischen Bevölkerung und verfolgt damit nach eigenen Angaben keine kommerziellen Zwecke.

Ziel der 2004 in Großbritannien an den Start gegangenen „UK Biobank“, mit Sitz in Stockport ist es, Zusammenhänge zwischen Volkskrankheiten und der Lebensführung aufzudecken. Die zu den größten europäischen Biobanken gehörende Sammlung beherbergt eine Million verschiedene Proben von 500 000 männlichen und weiblichen Spendern im Alter von 40 bis 69 Jahren. Die damit gewonnenen biologischen Daten werden mit Informationen zu Krankheitsgeschichte und Lebensstil der Spender verknüpft. Die Biobank steht als Non-Profit-Unternehmung allen Forschern offen.

Zu den umstrittensten Großprojekten zählt die 1998 eröffnete Biobank des isländischen Genforschungsunternehmens DeCodeGenetics in Reykjavik. Die Firma wollte die genetischen Ursachen von Krankheiten erforschen. Dazu sollten die genetischen Daten der gesamten isländischen Bevölkerung erfasst werden. Ein von der Regierung erlassenes Gesetz verpflichtete die Einwohner des Landes, dem Unternehmen ihre Krankenakten zur Verfügung zu stellen. Der Akt sorgte weltweit für Empörung. Das Gesetz wurde 2003 vom höchsten Gericht des Landes für unzulässig erklärt. Bis dahin hatten bereits 140 000 Isländer – rund die Hälfte der Bevölkerung – ihr Blut dem Unternehmen gespendet. Im Vorjahr wurde die insolvente isländische Firma für umgerechnet 317 Millionen Euro von dem US-Biotechnologieriesen Amgen gekauft. svw

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