Dinosaurier : Das Riesenhuhn

Es erinnert an einen Strauß, das Tier, das im Höllentempo über die Ebenen der Inneren Mongolei Chinas stürmte. Forscher haben in China einen gigantischen Dinosaurier entdeckt.

Roland Knauer
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Gigantoraptor: Knochenfunde in ChinaFoto: dpa

Es erinnert an einen Strauß, das Tier, das im Höllentempo über die Ebenen der Inneren Mongolei Chinas stürmte. Doch Gigantoraptor erlianensis ist massiver als ein Strauß, der mit 150 Kilo Gewicht als größter heute lebender Vogel gilt. Es handelt sich um einen Dinosaurier, der in der Kreidezeit vor 80 Millionen Jahren lebte. Seine versteinerten Knochen haben Forscher der chinesischen Akademie der Wissenschaften jetzt ausgegraben und untersucht (Nature, Band 447, S. 844).

Die größte Überraschung sind die Maße des Tieres, wie Kristian Remes, Dinosaurier-Spezialist am Museum für Naturkunde der HU Berlin, erklärt. Mit rund 1400 Kilogramm wog das acht Meter lange Tier so viel wie ein Nashorn. Allerdings gab es größere Dinos. So konnten Sauropoden bis zu vierzig Meter lang werden und hundert Tonnen wiegen. Die Oviraptorsaurier, mit denen der Gigantoraptor verwandt ist, waren dagegen eher so groß wie ein Huhn oder ein Hund.

Hühnern oder anderen Vögeln ähneln die Oviraptoren zudem verblüffend. Sie hatten meist keine Zähne, sondern Schnäbel. Vor Auskühlung schützten sie den Körper mit Federn. Ihre Füße kann ein Laie kaum von einem modernen Vogelfuß unterscheiden. Wie heutige Vögel liefen Oviraptoren auf zwei relativ schlanken Beinen recht flott durchs Gelände.

Zwar gehören die Oviraptoren nicht zur engen Verwandtschaft der Vögel, die bereits vor 150 Millionen Jahren über die Erde gehüpft waren. Doch manche Eigenschaften der Vögel erwiesen sich für Oviraptoren als praktisch und so ähnelten einige von ihnen den modernen Vögeln mehr als die ersten Vögel selbst. Weshalb sich aus diesen hühnergroßen Oviraptoren eine so große Art wie der Gigantoraptor entwickelte, bleibt zunächst ein Rätsel. Allerdings war damals die Lage für große Arten günstiger als heute, weil das Klima wärmer war und die Luft mehr Sauerstoff enthielt. Vor 65 bis 68 Millionen Jahren lebte ja auch der Tyrannosaurus rex, ein Raubsaurier mit sieben Tonnen Gewicht und zwölf Metern Länge. Ein ähnlich großer Verwandter von T. rex existierte auch zur Zeit des Gigantoraptors. Der Riesen-Vogel-Dino hatte aber viele Eigenschaften seiner kleineren Verwandten behalten. Die kleinen Oviraptoren wären – so Remes – einem Menschen leicht davon gerannt und Gigantoraptor dürfte im Sprint auch großen Raubsauriern entkommen sein. Federn besaß der Riesen-Vogel-Dino zwar an den Armen, doch wohl nicht am Körper. „Je größer ein Tier ist, umso weniger Körperwärme verliert es durch seine Oberfläche“, sagt Remes. In der warmen Kreidewelt konnte der Riesen-Vogel-Dino deshalb leicht auf Federn verzichten. Roland Knauer

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