Wissen : Diskussion über den Fall Scharenberg

Fabian Reinbold

Das Tauziehen um die Berufung des Amerikanisten Albert Scharenberg auf eine Juniorprofessur am John-F.-Kennedy-Institut eskalierte gestern bei einer Diskussion in Dahlem. Das Präsidium der Freien Universität und Unterstützer Scharenbergs machten sich gegenseitig schwere Vorwürfe. FU-Vizepräsidentin Ursula Lehmkuhl begründete die Ablehnung des Kandidaten damit, dass die „Relation zwischen Alter und wissenschaftlichem Output“ bei dem 42-Jährigen schwach und die Berufungskommission befangen gewesen sei.

Lehmkuhl verwies auf eine Website, die Scharenberg als Habilitand bei der Kommissionsvorsitzenden und Politologin Margit Mayer nennt. Dieser entgegnete, dass er sich lediglich vor acht Jahren sich um ein Habilitationsverfahren bei Mayer beworben, das Vorhaben kurz darauf aber begraben habe. Mayer bestätigte dies in einer schriftlichen Erklärung. Ihre Website sei schlicht nicht aktualisiert worden.

Weiter sagte Lehmkuhl, Scharenberg habe mit einem externen Gutachter des Berufungsverfahrens gemeinsam publiziert. Scharenberg stritt auch dies energisch ab. Daraufhin verließ Lehmkuhl kurz den Raum, um sich ihre Behauptung telefonisch bestätigen zu lassen, sprach das Thema nach ihrer Rückkehr jedoch nicht wieder an. „Das Argument der Befangenheit wird jetzt aus dem Hut gezaubert, weil andere Begründungen nicht ziehen“, ärgerte sich Scharenberg.

Auch OSI-Professor Hajo Funke, der im zuständigen Fachbereichsrat sitzt, konnte nach Mayers Erklärung „nicht verstehen“, dass die Vizepräsidentin den Vorwurf der Befangenheit aufrecht erhält. Dennoch solle man überlegen, die Kommissionsleitung zu ersetzen, falls dies das Verfahren voranbringe, sagte Funke. Zum Schluss sprach sich auch Lehmkuhl für eine Denkpause aus. In vier Wochen wolle man sich erneut zusammensetzen, um nach einem Ausweg zu suchen. Fabian Reinbold

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