• Doktortitel: Althusmann, Chatzimarkakis&Co: Die Wissenschaft wehrt sich gegen Plagiate

Doktortitel : Althusmann, Chatzimarkakis&Co: Die Wissenschaft wehrt sich gegen Plagiate

Nach dem Plagiatsverdacht gegen den KMK-Präsidenten fordert die Deutsche Forschungsgemeinschaft mehr Qualität bei Promotionen. Forscher in Oxford wehren sich gegen Äußerungen von Jorgo Chatzimarkakis.

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Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann.
Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann.

„Ich denke, dass die Universitäten inzwischen ihre Sinne schärfen.“ Das war noch der direkteste Kommentar, den Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sich auf der Jahrespressekonferenz am Donnerstag zum neuesten Promotions-Plagiatsvorwurf gegen den niedersächsischen Kultusminister und KMK-Präsidenten Bernd Althusmann (CDU) entlocken ließ. Im konkreten Fall mahnte er, die Prüfung durch die Universität Potsdam abzuwarten.

Die Diskussionen um problematische Doktorarbeiten prominenter Politiker sind in Kleiners Augen aber für die Wissenschaftsorganisationen generell eine Gelegenheit zur Diskussion über die Qualität von Promotionen, die genutzt werden sollte. „Denn als Wissenschaftler streben wir nach Besserem.“ So kündigte der Präsident der DFG gestern eine „Qualitätsoffensive Promotion“ an.

Die Güte dieser wissenschaftlichen Arbeiten hänge ganz maßgeblich von der „Verbindlichkeit der Arbeitszusammenhänge“ ab, in denen sie entstünden. So könnten Graduiertenkollegs und ähnliche Einrichtungen, die kontinuierliche Betreuung und regelmäßige Kontakte bieten, fast schon als Garantien dafür betrachtet werden, dass es nicht zu einem Fehlverhalten komme. „Das wird sehr unwahrscheinlich, wenn wir den Promovierenden ein- bis zweimal in der Woche in die Augen schauen.“ Im Übrigen müsse die Sensibilisierung für Fragen guter wissenschaftlicher Praxis bereits im Studium beginnen.

Unterdessen hat man an der Uni Potsdam mit der „Vorprüfung“ eines möglichen Verfahrens gegen den niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann begonnen. Althusmann war am Vortag durch einen Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Verdacht gekommen, beim Erstellen seiner 2007 an der Uni Potsdam eingereichten Promotion nicht wissenschaftlich korrekt zitiert zu haben.

Im Rahmen der Vorprüfung, die Klaus Goetz, Dekan des zuständigen Fachbereichs für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, innerhalb der nächsten 14 Tage abschließen will, soll auch Althusmann die Möglichkeit gegeben werden, Stellung zu beziehen. Althusmann hatte bereits gestern signalisiert, kooperieren zu wollen. Erst danach werde, wenn überhaupt, die uni-eigene „Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ offiziell mit dem Vorgang befasst, sagte Goetz gegenüber dem Tagesspiegel.

Über die Aberkennung zu befinden habe dann letztlich der Promotionsausschuss der Fakultät. Wie dieser entscheidet, ist derzeit anscheinend völlig offen: Aus Uni-Kreisen war mehrfach zu hören, dass der Verlust des Titels für Althusmann nur bedingt wahrscheinlich sei. Die mit der Note „rite“ denkbar knapp bestandene Arbeit weise zwar eklatante Mängel in der Zitierweise auf, von einem offenen Betrug wie im Fall Karl-Theodor zu Guttenbergs könne aber nicht die Rede sein.

Neues gibt es derweil auch im Fall eines anderen mutmaßlichen Doktorsünders: Mit einer Online-Petition hat sich ein Doktorand der Universität Oxford an den FDP-Chef Philipp Rösler gewandt und diesen um Stellungnahme zu Äußerungen des FDP-Europaabgeordneten Jorgos Chatzimarkakis gebeten. Dieser hatte am Sonntag in der TV-Sendung „Anne Will“ behauptet, fehlende Quellenverweise in seiner Doktorarbeit seien auf einen Forschungsaufenthalt in Oxford und dort erlernte Zitationstechniken zurückzuführen (in der Sendung ab Minute 5:10 zu sehen). „Die Unterstellung, dass in Oxford andere Regeln gelten, ist unerhört und eine Beleidigung für alle ehrlichen Forschenden in Oxford“, so der Text des offenen Briefes, den bis Donnerstagnachmittag 431 Internetnutzer unterzeichneten. Rösler verweigerte am Donnerstag eine Stellungnahme, da ihm das Schreiben nicht persönlich zugesandt worden sei.

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