Dream Chaser : Minishuttle soll zur Raumstation fliegen - womöglich auch ab Kourou

Die Nasa vergibt Milliardenaufträge für Lieferdienste zur ISS. Auch die europäische Raumfahrt hat Interesse am Minishuttle "Dream Chaser"

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Minishuttle. Der "Dream Chaser" der Firma Sierra Nevada soll künftig ebenfalls für Frachtflüge zur Internationalen Raumstation genutzt werden.
Minishuttle. Der "Dream Chaser" der Firma Sierra Nevada soll künftig ebenfalls für Frachtflüge zur Internationalen Raumstation...Foto: REUTERS

Für den Transport von Versorgungsgütern zur Internationalen Raumstation (ISS) in den Jahren 2019 bis 2024 hat die Nasa milliardenschwere Aufträge vergeben. Wie die Raumfahrtbehörde am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte, wird neben SpaceX und Orbital ATK, die bereits jetzt mit ihren Frachtern "Dragon" beziehungsweise "Cygnus" die ISS ansteuern, künftig auch das Unternehmen Sierra Nevada Transportflüge unternehmen. Damit lebt die Ära der Spaceshuttles wieder auf - zumindest im Kleinformat. Sierra Nevadas "Dream Chaser" ist deutlich kleiner als die bekannten Shuttles der Nasa, die bis 2011 im Einsatz waren. Wie die großen Vorbilder wird auch der Dream Chaser nach dem Einsatz im Weltraum gleitend zur Erde zurückkehren und auf einer Landebahn aufsetzen.

Über die genauen Kosten macht die Nasa keine Angaben. Diese würden von der jeweiligen Mission ab hängen, heißt es. Die "Washington Post" nennt ein Vertragsvolumen von insgesamt 14 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro).

Seit 2012 sind private Dienstleister im Einsatz

Für Transportdienste zur ISS setzt die Nasa schon länger auf private Unternehmen, um sich auf andere Themen zu konzentrieren, etwa Missionen über die erdnahe Umlaufbahn hinaus. Der erste kommerzielle Lieferdienst erfolgte 2012, als ein unbemannter Dragon-Frachter die Station erreichte. Allerdings gab es auch immer wieder Rückschläge, etwa die Explosion eines Dragon-Frachters kurz nach dem Start im Juni 2015 oder den Fehlstart eines Cygnus-Frachters im Oktober 2014.

Der Dream Chaser, das dritte Transportvehikel, soll am Kennedy Space Center in Florida für die Reise ins All vorbereitet werden und wahrscheinlich auch dort auf der alten Shuttle-Landebahn landen, berichtet "Florida Today". Darüberhinaus ist es denkbar, dass das Raumfahrzeug auch vom europäischen Raumfahrtbahnhof Kourou in Französisch Guayana aus starten könnte. Das sagte der Esa-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner am Freitag in Paris. Die europäische Raumfahrtagentur sei schon länger in Gesprächen mit Sierra Nevada, um eine Kooperation auszuloten. Der Dream Chaser könnte an der Spitze einer Ariane-Rakete in eine Umlaufbahn gebracht werden. Dazu wären jedoch einige technische Änderungen nötig: Bisher sind die Flügel zu breit, um in der Rakete Platz zu finden. Wörner bezeichnet das Problem allerdings als "klein" und "lösbar". Denkbar sei etwa, die Flügel mit einem Faltmechanismus zu versehen - analog zu Fliegern auf einem Flugzeugträger.

2018 fliegt wieder ein Deutscher ins All

Auf dem Pariser Pressetermin bekräftigte Wörner die Absicht, 2018 wieder einen deutschen Astronauten zur ISS schicken zu wollen. Alexander Gerst, dessen Mission im Jahr 2014 viele Menschen begeisterte, ist weiterhin Mitglied des Esa-Astronautenkorps. Doch auch jenseits dieser Mannschaft gebe es geeignete Kandidaten, sagte Wörner und spielte damit auf Bewerber an, die seinerzeit Gerst knapp unterlegen waren. Möglicherweise bekommt nun einer von ihnen doch noch eine Chance. "Wir stehen kurz vor einer Entscheidung", sagte der Esa-Generaldirektor. "In einigen Tagen oder Wochen", soll die Öffentlichkeit erfahren, wer in zwei Jahren zur Raumstation fliegen wird.

Was die weitere Zukunft der Esa betrifft, will sich Wörner dafür einsetzen, bis 2024 vollwertiger Partner der ISS zu bleiben, sagte er. Diese Einschätzung wird nicht von allen Mitgliedsstaaten geteilt. Vor allem Frankreich hat in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht, dass die Station nur eine untergeordnete Rolle spiele.

Ein Dorf auf dem Mond

Für die Zeit nach der ISS warb Wörner einmal mehr, ein neues Raumfahrtprojekt zu suchen, an dem sich die internationale Gemeinschaft beteiligt. Er sieht dabei vor allem seine Idee eines "Dorfs auf dem Mond": eine bemannte Station, wo die verschiedensten Technologien - etwa für einen späteren Marsflug - getestet und Forschungsfragen der Planetenwissenschaftler und Astronomen bearbeitet werden.

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