Editorial : Evolution in Natur, Technik und Kultur

Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zum Jahresthema Evolution.

Günter Stock
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Günter Stock: "Rund zwanzig Forschungs- und Kultureinrichtungen haben sich bislang zu einer Koopertaion bereit erklärt." -Foto: Ekko von Schwichow

Die Akademie als ein Ort des interdisziplinären Dialogs hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Themenfeld „Evolution“ aus verschiedenen Blickwinkeln kontrovers zu diskutieren. Dabei waren wir uns von Anfang an der Tatsache bewusst, dass die besondere Berücksichtigung kulturwissenschaftlicher und technischer Aspekte und deren Übertragung auf den genuin biologischen Begriff "Evolution" auf Widerspruch stoßen würden.

Es gibt nach Kopernikus keine Theorie, die unsere Wahrnehmung und unser Verständnis der lebendigen Welt so sehr revolutioniert hat wie die Evolutionstheorie. Dank ihrer erklärenden und verschiedene Beobachtungen integrierenden Kraft wurde sie zum zentralen Prinzip der modernen Biologie und liefert uns die Erklärung für die Vielfalt des Lebens auf der Erde – ein, wie wir finden, spannendes intellektuelles Abenteuer!

Wie bereits mit dem ersten Jahresthema 2007/2008 „Europa im Nahen Osten – Der Nahe Osten in Europa“ ist es auch diesmal gelungen, unterschiedliche Institutionen zusammenzuführen, Projekte und Perspektiven für eine Zusammenarbeit zu entwickeln und das gewaltige Potential zu illustrieren, das sich aus der kreativen Verbindung von Wissenschaft und Kultur ergibt. Rund zwanzig Forschungs- und Kultureinrichtungen haben sich bislang zu einer Kooperation bereit erklärt, unter anderem das Museum für Naturkunde, das Zentrum für Literaturforschung, der Botanische Garten und das Botanische Museum der Freien Universität Berlin, das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité, das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch, das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie und das Staatsballett Berlin.

Die zukünftigen Aktivitäten stehen in engem Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr „Berlin – Hauptstadt für die Wissenschaft W 2010“. Hierzu gehören Zukunftsfragen wie die Folgen des menschlichen Eingriffs in die Evolution durch neue biowissenschaftliche Verfahren. Wie sich Künstler die Zukunft der Evolution vorstellen, führen bereits jetzt die „post- evolutionären Modellorganismen“ Reiner Maria Matysiks vor Augen, mit denen diese Sonderbeilage bebildert ist.

Auf den folgenden Seiten möchten wir einen Einblick in die Vielgestaltigkeit der wissenschaftlichen Disziplinen, der Perspektiven und künstlerischen Positionen geben, mittels derer die Akademie den Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Kunst wagt. Unser besonderer Dank gilt den Mitgliedern der Akademie als Autoren der Beilage und unseren Kooperationspartnern, die spezifische Themen und Aspekte ihrer Institutionen in das „Jahresthema“ eingebracht haben. Eine besondere Freude ist es, dass Journalisten und Redakteure des Tagesspiegels dieses spannende Abenteuer begleiten und mitgestalten.


- Der Autor ist Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

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