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Ehrung für einen Toten : Ralph Steinman bleibt Medizin-Nobelpreisträger

Der vor drei Tagen gestorbene Immunforscher Ralph M. Steinman behält seine Nobelpreis-Ehrung. Wie die Stiftung mitteilte, wird die Entscheidung nicht revidiert, obwohl sie gegen die Statuten verstößt.

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Er gehörte zu den Forschern, die die angeborene Immunität entdeckten: Ralph Steinman. Vor kurzem starb der Professor an Krebs. Nun wird diskutiert, ob er den Medizin-Nobelpreis postum verliehen bekommt.
Er gehörte zu den Forschern, die die angeborene Immunität entdeckten: Ralph Steinman. Vor kurzem starb der Professor an Krebs. Nun...Foto: dpa

Nach den Regeln der Nobelstiftung in Stockholm dürfen Personen eigentlich nicht posthum mit dieser hohen Auszeichnung geehrt werden. Die schwedischen Juroren wussten nichts von Steinmans Tod am vergangenen Freitag, als sie ihm den Nobelpreis zusammen mit dem Franzosen Jules A. Hoffmann und dem US-Forscher Bruce A. Butler zuerkannten.

In der Erklärung der Stiftung hieß es, das Verbot der posthumen Auszeichnung beziehe sich nur auf eine bewusst in diesem Sinne getroffene Wahl. Die Juroren hätten die Entscheidung am Freitag um 14.30 Uhr getroffen, ohne von Steinmans Tod um 11.30 etwas zu wissen. Die Rockefeller-Universität in New York teilte den Tod am Montag auf ihrer Internetseite mit, kurz darauf verkündete das auch Nobelstiftung.
Die Angehörigen des in Kanada geborenen Wissenschaftlers erhalten im Dezember umgerechnet rund 550 000 Euro, die Hälfte der Gesamtdotierung für den Medizin-Nobelpreis. Die andere Hälfte teilen sich Hoffmann und Butler, die am gleichen Thema geforscht hatten.

Ralph Steinman hat die Nachricht, dass er den Nobelpreis für Medizin gewonnen hat, nicht mehr erreicht. „Die Nachricht ist bittersüß, da wir diesen Morgen von Ralphs Familie erfahren haben, dass er vor wenigen Tagen nach einem langen Kampf gegen den Krebs gestorben ist“, heißt es in einer Pressemitteilung der Rockefeller-Universität in New York. Nur wenige Stunden zuvor hatte das Nobelpreiskomitee in Stockholm erklärt, Steinman werde den Nobelpreis für Medizin 2011 zur Hälfte erhalten. Die andere Hälfte teilen sich der amerikanische Immunologe Bruce Beutler und der französische Forscher Jules Hoffmann. Alle drei haben erforscht, wie der Körper von Tier und Mensch gefährliche Bakterien, Viren und Pilze abwehrt.

Ob Steinman den Preis nun aberkannt bekommt, stand am frühe Abend noch nicht endgültig fest. Das Nobelpreiskomitee hatte 1961 die Statuten geändert, um eine postume Verleihung zu verhindern. Steinman war vor vier Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. Seitdem kämpfte er gegen den aggressiven Tumor – und nutze dafür auch die Entdeckungen, für die er nun mit den Nobelpreis geehrt wurde. 1973 hatte Steinman einen neuen Zelltyp entdeckt, die dendritische Zelle. Das sind große Zellen mit vielen Ausläufern, die im Körper eine Art Wächtertruppe bilden, die Eindringlinge aufspürt und die körpereigene Abwehr aktiviert. „Diese Zellen sind für das Immunsystem außerordentlich wichtig und es ist schon etwas ganz besonderes gewesen, dass so spät eine so wichtige Zelle noch entdeckt wurde“, sagt Stefan Kaufmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin.
Steinmanns Ergebnisse seien zunächst mit viel Skepsis bedacht worden, erinnert sich Kaufmann. Schließlich glaubten Forscher in den 70er-Jahren alle wichtigen Zellen bereits entdeckt zu haben. Fresszellen (Makrophagen) galten als die entscheidenden Zellen, die das Immunsystem alarmieren, wenn Krankheitserreger in den Körper eingedrungen sind. Viele Wissenschaftler glaubten, Steinman habe in seinen Experimenten nicht sauber gearbeitet und lediglich diese Makrophagen beobachtet. Inzwischen ist allerdings klar: Steinman hatte Recht. Dendritische Zellen sind tausend mal effizienter darin, die Körperabwehr anzukurbeln als Makrophagen.
Forscher versuchen deshalb längst, die Zellen in der Therapie einzusetzen, etwa gegen Krebs. Der Ansatz: Dendritische Zellen werden dem Körper entnommen, mit bestimmten Eiweißen beladen, die nur im Tumor vorkommen, und dann wieder in den Körper gespritzt. So sollen sie das Immunsystem auf die wuchernden Zellen abrichten. Im April 2010 wurde so eine Therapie in den USA erstmals zugelassen: gegen fortgeschrittenem Prostatakrebs. Zahlreiche ähnliche Therapien werden getestet. Auch Steinman behandelte sich selbst mit dem Ansatz. In einer Pressemitteilung der Rockefeller-Universität heißt es, er habe mit dem Selbstversuch sein Leben verlängert. Das nachzuweisen, ist allerdings kaum möglich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie das Toll-Gen zu seinem Namen kam.

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