Wissen : Eichhörnchen als fleißige Förster Tiere sichern das Überleben vieler Bäume

Roland Knauer

Werden in der Umgebung eines Waldes Bäume abgeholzt, leidet auch die Artenvielfalt auf den Flächen ohne Holzeinschlag. Das haben Forscher von der Universität Alcala in Madrid entdeckt.

Allerdings waren sie erstaunt, dass einige Baumarten von der Abholzung in der Nähe offenbar profitieren und sich stärker ausbreiten. Der Grund liegt in der Strategie, mit der sich die Baumarten fortpflanzen, berichten die Forscher im Fachblatt „Science“ (Band 320, Seite 1502).

Einige Bäume nutzen den Wind, der ihre Samen über weite Strecken trägt. Zwei Baumarten, die sich auf diesem Wege vermehren, reagierten in der Studie empfindlich auf Rodungen in der Nähe. Die Samen aller sechs profitierenden Baumarten werden dagegen von Tieren verbreitet. Sie fressen die Früchte, zum Beispiel vom Färberbaum Rhus coriaria oder vom Walnussbaum Juglans regia, und scheiden den Steinkern samt Samen später wieder aus.

Während leichte Samen vom Wind oft auch in ungünstige Lagen getragen werden, suchen Eichhörnchen und andere Nuss- und Fruchtfresser gezielt Flächen, auf denen ihre Speisebäume wachsen. Dort scheiden sie dann auch die Samen aus anderen Waldregionen aus oder vergraben die Nüsse. Wird der Wald vielerorts abgeholzt haben daher die von Tieren verbreiteten Arten einen Vorteil, weil ihre Chancen größer sind, auf einem geeigneten Lebensraum zu landen.

Auf Dauer sind aber auch Arten wie die Walnuss oder der Färberbaum durch die Abholzung gefährdet. Verschwindet nämlich immer mehr Wald, finden Eichelhäher und Eichhörnchen weniger Lebensraum. Dann könnten auch diese Bestände rasch zusammenbrechen, warnen die Forscher. Genau das könnte in den Regenwäldern Südostasiens passieren.

Vom Urwald, der einst das Gebiet des heutigen Deutschland bedeckte, ist zwar nichts übrig geblieben. Aber auf fast einem Drittel der Fläche wächst heute immerhin noch ein Wirtschaftswald, in dem Eichhörnchen und Eichelhäher einige Baumarten mit Nüssen und Früchten verbreiten können. Roland Knauer

0 Kommentare

Neuester Kommentar