Wissen : Ein Schnabel für heiße Tage

Wer nicht schwitzen kann, muss an heißen Tagen auf andere Weise für Kühlung sorgen. Vögel nutzen dafür ihren Schnabel, folgern amerikanische Forscher nach Messungen an knapp 1400 Ammern. Je höher die Temperaturen im Brutgebiet der Vögel steigen, desto größer ist demnach die Oberfläche ihres Schnabels. Mit jedem zusätzlichen Grad Celsius steigt die Schnabeloberfläche der kleinen Vögel um fast 4 Quadratmillimeter, ermittelten die Forscher um Russell Greenberg von der Smithsonian Institution in Washington. Dieses Resultat bestätige frühere Studien, denen zufolge der Schnabel nicht allein die jeweilige Nahrung widerspiegle, sondern auch die physikalischen Umweltbedingungen, schreiben die Biologen im Fachblatt „Ecography“.

Greenberg und Kollegen verglichen für ihre Studie insgesamt zehn Unterarten von Ammern, die in Salzmarschen an den Küsten Nordamerikas brüten. In dem sonnendurchfluteten und gleichzeitig süßwasserarmen Lebensraum spielt der Schnabel anscheinend eine wichtige Rolle im Wärmehaushalt der Vögel, fanden die Forscher. Als sie die Schnabelfläche gegen die mittlere Juli-Höchsttemperatur am jeweiligen Fundort auftrugen, lagen die meisten Punkte hart an einer geraden Linie mit einer Steigung von 3,7 und 3,5 Quadratmillimeter pro Grad Celsius für Männchen und Weibchen. Mit der mittleren Januar-Tiefsttemperatur ergab sich dagegen nur eine diffuse Punktewolke.

Die Resultate passen zu dem bekannten Muster, dass Tiere in wärmeren Lebensräumen schlankere Gliedmaßen und größere Ohren besitzen und insgesamt weniger kompakt gebaut sind als ihre Verwandten in kühleren Zonen. Offenbar folge auch der Vogelschnabel dieser Allenschen Regel, so Greenberg weiter. In puncto Wärmeabstrahlung entspreche er also beispielsweise den großen Ohren von Elefanten und Wüstenfüchsen. JKM

0 Kommentare

Neuester Kommentar