Wissen : Ein Student als Vizepräsident

Frank van BebberD
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Foto: Promo

Dunkler Anzug, eigenes Büro und ein bezahlter Sitz im Uni-Präsidium: Mit seinen protestierenden Kommilitonen an anderen Hochschulen hat Simon Pagany nichts gemeinsam. Der Student der privaten Zeppelin-University in Friedrichshafen ist ab Januar Deutschlands erster hauptamtlicher studentischer Uni-Vizepräsident. Dafür unterbricht der 26-Jährige sein Master-Studium der Kommunikations- und Kulturwissenschaften für zwei Semester und rückt in die Chefetage auf. Ein Vollzeitjob, bei dem Pagany sich vor allem um studentische Projekte und die Studienqualität kümmern soll.

Die Studenten der Zeppelin-University (ZU) mussten nicht mit Blockaden und Transparenten an der Tür zur Macht rütteln. Bereits im Frühjahr hatte die ZU den neuen Posten geschaffen und in einem Auswahlverfahren besetzt. Ein klassischer Studentenvertreter ist Pagany nicht: Berufen wurde er von Präsident Stephan Jansen und dem ZU-Stiftungsvorstand. Er ist nun eine Stimme der Uni-Leitung. Pagany nennt seine Aufgabe eine sehr spannende Idee und ein Experiment. Der in der Nähe von Memmingen geborene Bayer hatte zuvor an der Universität Eichstätt Sozialpädagogik studiert und war dort als Studentenvertreter aktiv gewesen.

Die Idee für die neue Position im Präsidium hatte ZU-Chef Jansen selbst. Die Qualität des Studiums könne nur in enger Kooperation zwischen allen Gruppen entstehen, „warum dann nicht auch im Präsidium selbst“, sagt Jansen. Der 39-Jährige war vor acht Jahren Deutschlands jüngster Uni-Präsident. Und natürlich freut es die Privat-Uni, sich gegenüber der Staatskonkurrenz als innovativ zu zeigen. Dazu hat sie mit rund 530 Studenten bei 20 Professuren und einer Studiengebühr von 3950 Euro je Semester aber auch bessere Voraussetzungen als Massenuniversitäten, in denen die Chefzimmer für Studenten tabu sind. Frank van Bebber

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