Wissen : Ein Studium – zwei Diplome

Die TU bietet in Berlin und Brandenburg die meisten Doppelabschlüsse mit ausländischen Hochschulen

Patricia Pätzold

Visa, Stipendien, Impfungen und ärztliche Checks: Wer im Ausland studieren will, muss sich möglichst zeitig kümmern. Diesen Rat gibt Johannes Schaback, Informatikstudent an der TU Berlin. Er hat sein Vordiplom in der Tasche und ist auf dem Sprung in eine andere Welt: nach Shanghai. Dort wird er zwei Jahre lang an der Jiao Tong Universität studieren. Zurück in Berlin beendet er an der TU sein Studium und hat schließlich zwei Diplome in der Tasche.

Die TU Berlin und die Jiao Tong Universität haben ein Abkommen geschlossen, um Doppeldiplome zu vergeben. Insgesamt zwölf solcher Abkommen verbinden die TU mit Hochschulen in Frankreich, England, Korea, Polen und China. Zwei weitere mit spanischen Unis stehen kurz vor dem Abschluss. Im August besuchte eine Delegation der renommierten Tongji-Universität in Shanghai die TU Berlin, um über ein Doppeldiplom in Architektur zu verhandeln. Mit diesem vielfältigen Angebot ist die TU in Berlin einzigartig, keine andere Uni in der Region vergibt so viele Doppeldiplome.

Die Studienpläne sind so aufeinander abgestimmt, dass das Studium innerhalb der regulären Frist abgeschlossen werden kann. Das trifft vor allem für die Studiengänge in Betriebs- und Volkswirtschaft zu. Für Wirtschaftsingenieurwesen, Energie- und Verfahrenstechnik, Verkehrswesen, Biotechnologie, Informatik und weitere Ingenieurwissenschaften müssen die Studenten ein bis zwei Semester mehr einplanen. Allerdings: Die Doppeldiplome öffnen die Türen zum internationalen Arbeitsmarkt. Immer mehr Unternehmen suchen Manager und Experten, die in verschiedenen Kulturen sicher ihre Frau oder ihren Mann stehen können.

Das Abkommen mit der Jiao Tong Universität war das erste seiner Art zwischen einer deutschen und einer chinesischen Hochschule. Auch das Doppeldiplom mit der Ecole Supérieure de Commerce de Toulouse, das seit 1989 erteilt wird, war die erste Diplomallianz einer deutschen und einer französischen Elite-Universität. „Die Doppeldiplome sind das I-Tüpfelchen, die hohe Kunst des Austauschgeschäftes“, sagt Carola Beckmeier, die Leiterin des Auslandsamtes der TU Berlin. „Einem Vertrag gehen jahrelange, sehr gründliche Vorarbeiten voraus. Die Studierenden sollen nicht nur eine andere Kultur kennen lernen, beim Doppeldiplom geht es um die Studieninhalte.“

Erfahrungen im Ausland sind heute in vielen Berufen ein Muss. Das Institut der Deutschen Wirtschaft und der Deutsche Akademische Auslandsdienst befragten mehr als 300 Personalchefs in großen Unternehmen. Für mehr als die Hälfte von ihnen spielten interkulturelle Kompetenzen eine wichtige Rolle bei der Einstellung. Die Unternehmen versprechen sich von den Doppeldiplomanden vor allem Kenntnisse der Alltagskultur, Anpassungsbereitschaft und Mobilität. Neben den USA, Frankreich oder England interessieren sie sich besonders für Osteuropa, den Balkan und China.

Wer sich für ein Doppeldiplom interessiert, muss gute Noten vorweisen. Weiterhin sind kulturelles und politisches Interesse sowie Eigeninitiative gefragt. Je eher die Vorbereitungen beginnen, desto besser: Allein die Sprache zu lernen, kostet Zeit. Carola Beckmeier blickt aber schon weiter: „Wir diskutieren bereits über Studiengänge, an denen Hochschulen aus drei Nationen beteiligt sind. Das sind dann trinationale Diplome.“

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