Wissen : Einmal ist keinmal

Wenn eine Operation nicht ausreicht

Dagny Lüdemann

Wenn bei Patienten ein chirurgischer Eingriff vorgenommen werden muss, ist es oft nicht das letzte Mal, dass sie auf dem Operationstisch landen. Entweder liegt das in der Natur der Erkrankung – wenn etwa ein Hirntumor erneut zu wachsen beginnt – oder es ist Folge der Operation selbst. Wie man Wiederholungseingriffe durch bessere Techniken verhindern und das Risiko für Komplikationen senken kann, berieten Experten am Dienstag beim 125. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in Berlin.

Hüftgelenkprothesen halten beispielsweise nur zehn bis 15 Jahre. Werden sie locker, müssen sie ersetzt werden. Trotz moderner Methoden und immer langlebigerer Prothese-Materialien nimmt die Zahl der Folgeoperationen zu. Denn wegen der guten Aussichten auf eine Verbesserung der Lebensqualität wird heute früher operiert. „Man lässt einen 40-Jährigen nicht mehr 20 Jahre am Stock gehen, ehe man ihm eine Hüftprothese einsetzt“, sagte Axel Ekkernkamp vom Unfallkrankenhaus Berlin auf dem Kongress. Da diese Menschen bis zu 50 Jahre mit einer Prothese leben, müssten auch häufiger Implantate ausgewechselt werden. Hinzu kommt, dass durch die wachsende Lebenserwartung auch ein Patient, der beim Ersteingriff 65 Jahre alt ist, heute gute Chancen hat, den Tag noch zu erleben, an dem seine Prothese ersetzt werden muss. „Solche Zweitoperationen sind bei Hüft- und Knieprothesen aber kein Problem mehr“, sagte der Chirurg Ekkernkamp.

Problematischer sind Zweiteingriffe bei künstlichen Herzklappen. „Muss erneut operiert werden, ist das Sterberisiko doppelt so hoch wie bei der Erstoperation“, sagte Axel Haverich, Direktor der Klinik für Herzchirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Damit ein einziger Eingriff reicht, müsse die Qualität der Implantate verbessert werden.

Bei Leistenbrüchen könne man die Rate der Folgeoperationen von heute fast 15 auf unter ein Prozent senken, indem man beim ersten Eingriff ein Netz implantiert, das ein erneutes Aufbrechen des Gewebes verhindert, sagte Ferdinand Köckerling, Chirurgie-Chefarzt am Vivantes Klinikum Spandau. Dies werde aus Kostengründen aber noch zu selten gemacht.

Insgesamt wächst die Anzahl der älteren Menschen in Deutschland und damit die Häufigkeit von Operationen. „Dem steht aber die besorgniserregende Entwicklung gegenüber, dass schon jetzt nur fünf Prozent aller Jungmediziner eines Jahrgangs Chirurgen werden wollen,“ sagte der DGCH–Präsident Rainer Arbogast. Noch bis Freitag tauschen sich im ICC rund 6000 Mediziner aus aller Welt über neue Operationstechniken aus und diskutieren, wie die Chirurgie sich an den demografischen Wandel anpassen und einem drohenden Mangel an Chirurgen entgegensteuern kann. Dagny Lüdemann

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