EISBOHRKERNE : Alle dreieinhalb Meter beginnt die Arbeit von vorn

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Je tiefer, umso älter. Die massigen Eisschilde in der Antarktis oder Grönland enthalten viele Informationen darüber, wie das Klima in der Vergangenheit war. Die Idee, dieses frostige Archiv zu erschließen, geht zurück auf den Geoforscher Alfred Wegener. Während seiner Grönlandexpedition vor 80 Jahren wurden erstmals Temperatur- und Dichtemessungen an verschiedenen Eisschichten vorgenommen.

Am weitesten in die Vergangenheit blickten Forscher des „Epica“-Projekts (European Project for Ice Coring in Antarctica). Aus 3233 Metern Tiefe förderten sie 800 000 Jahre altes Eis an die Oberfläche, acht Jahre nachdem sie die Bohrung begonnen hatten. Dass es so lange dauerte, hat zwei Gründe. Zum einen sind solche Arbeiten nur im antarktischen Sommer möglich. Zum anderen ist es sehr aufwendig, die rund zehn Zentimeter dicken, runden Eiskerne zu gewinnen.

Der Bohrer ist ein hohler Zylinder mit scharfen Messern an der Unterkante, der sich um dem künftigen Kern herum in die Tiefe schraubt. Sind etwa dreieinhalb Meter geschafft, wird der Kern im Rohr fixiert und nach oben gehievt. Dann beginnt die Arbeit von vorn. „Die Bohrkerne werden tiefgekühlt in unser Kühlhaus nach Bremerhaven gebracht, wo sie bei minus 30 Grad gelagert werden“, erläutert Michael Kriews vom Alfred-Wegener-Institut. „Dann werden sie aufgeschnitten und einzelne Teile für verschiedene Analysen genutzt.“ Beispielsweise, um das Verhältnis unterschiedlich schwerer Sauerstoffatome (Isotopen) im jahrtausendealten Niederschlag zu bestimmen. Dieser Wert gibt den Wissenschaftlern Hinweise auf die damals herrschende Temperatur. nes

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