EIT : Abgespeckte Elite

Die Super-Uni der Europäischen Union startet in einer Sparversion. Klima und neue Energien sind Themen der ersten Projekte.

Tilmann Warnecke

Es sollte die Antwort Europas auf das weltberühmte Massachusetts Institute of Technology (MIT) werden: das European Institute of Innovation and Technology (EIT). Ein Spitzen-Technologieinstitut der EU, das den amerikanischen Forschern Paroli bieten kann. Jahrelang feilschten die EU-Länder über diese Lieblingsidee von Kommissionspräsident Manuel Barroso, bis feststand, dass es nur in einer abgespeckten Variante entstehen soll.

Jetzt hat die Europäische Union die Ausschreibung für die ersten Vorhaben veröffentlicht, die vom EIT gefördert werden. Darin wird noch weiter von der Ursprungsidee abgerückt. Statt Grundlagenforschung soll jetzt vor allem die Förderung der Wirtschaft im Mittelpunkt der EIT-Projekte stehen. „Die Mission des EIT ist es, neue Geschäftsmöglichkeiten für bereits bestehende Industrien und genauso für neue Unternehmen zu entwickeln“, heißt es in dem Ausschreibungstext.

Dass das EIT nur in einer Light-Variante entsteht, hatten die EU-Länder bereits vor zwei Jahren beschlossen. Zu groß war der Widerstand gegen den Aufbau eines einzelnen Instituts auf der grünen Wiese, das unweigerlich das Sitzland des EIT bevorzugt hätte. Statt einst anvisierter 2,4 Milliarden Euro bekommt das EIT jetzt nur noch 309 Millionen Euro bis 2013 von der EU. Das Hauptquartier in Budapest übernimmt lediglich Verwaltungsaufgaben. Die eigentliche Arbeit findet in sogenannten „Wissensgemeinschaften“ – „Knowledge and Innovation Communities“ (KIC) – statt, von denen die ersten zwei bis drei bis Ende des Jahres ausgewählt werden sollen.

Jede Wissensgemeinschaft soll mindestens aus drei Partnerinstitutionen bestehen, die aus jeweils verschiedenen Ländern der Europäischen Union kommen sollen. Ein Partner muss ein privates Unternehmen sein, eine weiterer eine Forschungseinrichtung.

Jedes Vorhaben sollte ein Jahresbudget von 50 bis 100 Millionen Euro haben. Die EU will davon allerdings höchstens ein Viertel aus dem EIT-Budget übernehmen. Der überwiegende Rest soll von den beteiligten Unternehmen oder anderen privaten Geldgebern kommen – was für eine Dominanz der Wirtschaft bei den Vorhaben spricht.

Als erste Themen sollen Klimawandel, erneuerbare Energien und neue Kommunikationstechnologien bearbeitet werden. Das Design der EIT-Ausschreibung ähnelt so dem „Spitzencluster-Wettbewerb“ der Bundesregierung, mit dem ebenfalls Zukunftsbranchen gefördert werden sollen.

Nach welchen Kriterien werden die EIT-Projekte ausgewählt? Es solle vor allem gelingen, „Innovationsketten“ aufzubauen: Forschungsaktivitäten sollen bestmöglich in wirtschaftliche Erfolgsprodukte umgesetzt werden. Die Vorhaben sollten eine „soziale Komponente“ haben, indem sie „Jobs schaffen und die Lebensqualität verbessern“. „Unternehmerische Persönlichkeiten“ sollten gefördert werden, Start-Up-Firmen entstehen. Im akademischen Bereich ist vorgesehen, dass die beteiligten Forschungseinrichtungen neue Master- und Doktorandenprogramme entwickeln, die mit einem „EIT-Label“ versehen werden.

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