EKEL UND MORAL : Vom Schutzengel des Körpers zum Schutzengel der Seele

Auch das Gefühl des Ekels scheint mit einigen unserer Moralurteile verflochten zu sein. Ekel ist ein Gefühl, das die Natur vermutlich ursprünglich ins Leben gerufen hat, um unseren Körper vor Giften, insbesondere verdorbener Nahrung, zu warnen und schützen. Verdorbenes Fleisch etwa ruft eine instinktive Ekelreaktion in uns hervor: Wir spucken das giftige, gefährliche Stück Fleisch sofort aus. Ja, meist ekeln wir uns schon so vor dem Geruch verdorbenen Essens, dass wir erst gar nicht zugreifen.

Es gibt Patienten mit Hirnschäden, die keinen Ekel mehr empfinden und beispielsweise verdorbene Milch trinken, die sie ohne Ironie als „herrlich“ bezeichnen. Diese Menschen riskieren mit jedem Griff zum Kühlschrank eine Lebensmittelvergiftung.

Ekel fungiert somit als „Schutzengel unseres Körpers“. Auch in diesem Fall sind die Instinkte oft stärker als der Verstand: So weigern sich viele, Schokolade zu essen, die eine Exkrementenform hat.

Wie die US-Psychologen Jonathan Haidt und Paul Rozin vermuten, hat sich das Ekelgefühl in vielen Kulturen ausgeweitet zu einer Art „Schutzengel der Seele“, etwa wenn wir bestimmte Verhaltensweisen als „widerlich“ bezeichnen. Selbstverständlich unterliegt das, was wir als Bedrohung der Seele empfinden einem kulturellen Wandel und ist oft irrational und willkürlich. So empfanden viele Menschen Homosexualität lange Zeit zugleich als eklig und moralisch verwerflich. Dies gilt heute je nach Gesellschaft immer noch für die eine oder andere Sexualpraxis. bas

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben