Wissen : „Elite stinkt“: Proteste bei FU-Feier

Tina Rohowski

Studenten der Freien Universität haben die Immatrikulationsfeier ihrer Hochschule für Proteste gegen den Elite-Titel und das FU-Präsidium genutzt. Die Rede des FU-Präsidenten Dieter Lenzen ging gestern im überfüllten Audimax der Uni fast vollständig in Sprechchören, Zwischenrufen, Gesängen und Pfiffen unter. Auch in vier anderen Hörsälen, in die die Feier wegen des großen Andrangs übertragen wurde, war Lenzens Ansprache an die Erstsemester kaum zu verstehen.

In den wenigen Passagen, die ins Auditorium durchdrangen, sprach Lenzen von der „großen Zukunft“ der FU, die eine „internationale Spitzenuniversität“ sei. Lenzen redete gegen zahlreiche Sprechchöre im Publikum an, die unter anderem „Dieter Lenzen, unser Idol!“ und „Wir sind Elite!“ skandierten. Mehrfach stimmten sie auch die deutsche Nationalhymne an. Für Verwirrung im Saal sorgte zudem, dass jeder Festvortrag immer wieder von starkem Beifall unterbrochen wurde – allerdings nur dann, wenn von „Exzellenz“, „Elite“ oder „Drittmitteln“ die Rede war. Einige Studierende zündeten Knallfrösche und Stinkbomben. Zuvor hatten sie auf dem FU-Campus Flugblätter mit der Aufschrift „Elite stinkt“ verteilt. Mitglieder der Studierendenvertretung kritisierten in ihrer Ansprache, Dieter Lenzen führe die FU „wie ein Sonnenkönig“. Den Neuimmatrikulierten empfahlen sie, „mal wieder ein Büro zu besetzen“.

Bischof Wolfgang Huber, der nach Lenzen sprach, rief als diesjähriger Gastredner die Angehörigen der FU auf, „sich gemeinsam für ihre Universität einzusetzen, anstatt einander das Gehör zu verweigern“. Huber gratulierte der FU, „deren Exzellenz nun bestätigt worden“ sei. Allerdings hätte er sich, so Huber weiter,

„diese Auszeichnung für zwei Berliner Universitäten erhofft“. Die Humboldt-Uni, an der der evangelische Theologe auch Honorarprofessor ist, hätte „gleichrangig“ behandelt werden sollen. Nun bleibe zu wünschen, dass der Wettbewerb an den Hochschulen „Lehre und Studium genauso beflügelt wie Forschung und internationale Vernetzung“.

Den Studierenden im ersten Semester wolle er mitgeben, dass „Wissenschaft ein hohes ethisches Gut ist“, sagte Huber. Sie müsse daher „mit sich selbst kritisch umgehen“ und „Verantwortung für aktuelle Probleme übernehmen“ – beispielsweise für „die Themen Klimawandel, Integration und Demografie“. Ferner dürfe man „die junge Generation nicht nur unter dem Aspekt gesellschaftlicher Nützlichkeit betrachten“, sagte Huber. Er begrüße, dass „Partnerschaft und Familie nun wieder zu Kernthemen der Wissenschaft“ geworden seien. Tina Rohowski

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben