Elitenförderung : Die Elite bleibt nicht dauerhaft im Ausland

Forschungsministerin Annette Schavan fürchtet, dass Hochqualifizierte, die sich im Ausland ausbilden ließen, nicht nach Deutschland zurückkehren - der sogenannte "brain drain". An dieser These hat ein Bevölkerungsinstitut erhebliche Zweifel.

In der „nationalen Qualifizierungsoffensive“ der Bundesregierung ist die Rückgewinnung international renommierter Spitzenforscher eines von fünf zentralen Vorhaben. Bundesforschungsministerin Annette Schavan will unter anderem mit Stipendien und Forschungspreisen dafür sorgen, dass Hochqualifizierte nach einem Auslandsaufenthalt wieder zurückkommen. Genau das aber ist nach einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsfragen in Wiesbaden ohnehin der Fall. Die Demografen halten es für „fraglich, ob tatsächlich von einem ,brain drain‘ aus Deutschland gesprochen werden kann“.

Der Anteil hoch qualifizierter Auswanderer, der heute bei 28 Prozent der deutschen Migranten liegt, habe zwar seit 1990 um etwa ein Zehntel zugenommen. Auch proportional gehören Hochschulabsolventen damit zu den mobilsten Deutschen: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt bei nur 20 Prozent. Aber obwohl 40 Prozent der im Ausland lebenden Hochqualifizierten angeben, nicht zurückkehren zu wollen, ist die tatsächliche Rückkehrwahrscheinlichkeit weitaus höher. Vier Fünftel der deutschen Wissenschaftler hielten sich für weniger als ein Jahr im Ausland auf. Und gerade für die USA sei trotz einer Zunahme von Gaststationen kein Anstieg langfristiger oder dauerhafter Aufenthalte zu verzeichnen.

Bei der Veröffentlichung des Bundesinstituts (Materialband Nr. 123/2007) handelt es sich um eine Auswertung bereits vorliegender Studien. Zu den Daten- und Literaturquellen, mit denen die Demografen gearbeitet haben, gehören allgemeine Bevölkerungsumfragen, Surveys unter hoch qualifizierten Auswanderern und Verbleibsstudien von Absolventen und Stipendiaten. Die Datenlage sei schwierig und heterogen, heißt es. Diesen Eindruck bestätigen Untersuchungen aus den vergangenen Jahren: Nach einer Umfrage der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 2002 kehrten 85 Prozent der ehemaligen Stipendiaten aus dem Ausland zurück. Dagegen ergab 2003 eine Studie zum Verbleib von ausländischen Nachwuchswissenschaftlern, dass etwa die Hälfte der deutschen Doktoranden vier bis fünf Jahre nach Ablauf ihres Stipendiums noch in den USA ist. Bei Chinesen und Indern waren es allerdings rund 90 Prozent. -ry

Die Studie im Internet:

www.bib-demographie.de/publikat/materialien/Heft123.pdf

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