Eliteuni : Risiko Elitewettbewerb

Prinzip "Eliteuni": Die Grünen ziehen Zwischenbilanz.

Anja Kühne

Vor anderthalb Jahren wurde die erste Runde der Exzellenzinitiative entschieden. Eine Zwischenbilanz zogen am Montag Experten beim „Fachgespräch“ der Grünen im Bundestag. Der Wettbewerb habe die Universitäten in „Bewegung“ gebracht, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Krista Sager. Er habe aber auch „den Blick für Disparitäten im Wissenschaftssystem geschärft“. So steht für die Grünen fest, dass das Etikett „Eliteuni“ in einer weiteren Runde der Exzellenzinitiative nur an Hochschulen verliehen werden darf, die sich auch einem Wettbewerb in der Lehre stellen.

Besonders heikel ist die Frage, wie bei einer zweiten Auflage des Wettbewerbs mit den Siegern aus der ersten Runde umgegangen werden soll. Die Hochschulrektoren gehen davon aus, dass der größte Teil der Projekte erneut gefördert werden muss. Die Wissenschaftler hätten ihre Arbeit erst begonnen. Sager nannte diese Meinung eine „Siegerposition“, die „zu kurz“ greife. Die Grünen wollen, dass alle Unis „von der gleichen Startlinie aus ins Rennen gehen“ – sonst werde die Exzellenzinitiative „ein dauerhaftes Zwei-Klassensystem“ der Hochschulen zementieren.

Allerdings würde ein baldiges Absenken der Fördermittel aus dem Wettbewerb so manche Uni vor große Probleme stellen. Für die Forschungscluster mit einem finanziellen Volumen von 6,5 Millionen Euro sind Wissenschaftler berufen worden, die dann aus anderen Quellen weiter finanziert werden müssten: sollte das Sitzland nicht in die Bresche springen, auf Kosten anderer Fächer.

Stefan Lange von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer sagte, der Wettbewerb zwinge die Hochschulen dermaßen zur Profilbildung, dass sie sich auf Dauer selbst behindern könnten: Große Cluster, deren Themen jetzt die Ausrichtung der Unis bestimmten, könnten morgen aus der Mode sein. Die Unis seien dann aber so festgelegt, dass sie sich nur schwer umorientieren könnten. In den USA hätten Experten bereits die Sorge geäußert, die deutschen Volluniversitäten könnten ihr reiches Fächerspektrum wenigen Profilen opfern. Lange befürchtet auch, der Wettbewerb könne zu „Risikoaversion“ und „Konformitätsdruck“ unter den Forschern führen. Sie könnten dazu neigen, neue Projekte nur noch an vermeintlichen Wünschen von Gutachtern auszurichten und so geistig im Mainstream verharren.

Erste Ergebnisse der offiziellen Evaluation des Wettbewerbs werden im November erwartet. 

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