Elitewettbewerb : „Alle müssen profitieren“

Herr von Heyden, die Berliner Universitäten sorgen sich um ihr Abschneiden im Elitewettbewerb. Sie interpretieren die Pläne so, dass exzellente Bereiche fortan aus den Unis herausgelöst werden. Das aber könne ein falsches Signal für den Elitewettbewerb sein. Ist diese Sorge begründet?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Zöllner ein so großes Vorhaben konkret angeht, bevor die Entscheidungen in der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern fallen, was ja im Oktober der Fall ist. Diese Entscheidungen wird der Senator dann sicher in vernünftiger Art und Weise mit seinen Plänen für die gesamte Berliner Wissenschaftslandschaft verbinden. Wenn à la longue tatsächlich exzellente Bereiche aus Universitäten und außeruniversitären Instituten herausgelöst werden sollen, wäre das in der Tat ein Problem. Aber ich halte es für ausgeschlossen, dass so etwas in Berlin wirklich geplant ist.

Hat Senator Zöllner über seine Pläne für eine „gemeinsame Tochterinstitution“ von Unis und außeruniversitären Instituten vorher mit dem Wissenschaftsrat gesprochen?

Nein, das erwartet auch niemand von ihm.

Ist es prinzipiell ein guter Gedanke, auf dem in Berlin geplanten Weg die Versäulung zwischen universitärer und außeruniversitärer Forschung aufbrechen zu wollen?

Der Wissenschaftsrat hat das häufig unverbundene Nebeneinander von Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen immer kritisiert, insbesondere wenn exzellente Forschung aus den Unis abwandert. Es ist sicher richtig, Brücken zu schlagen und die starken außeruniversitären Forschungszentren näher an die Universitäten heranzuziehen. Es bleibt abzuwarten, welche eleganten Wege da gefunden werden. Denkbar ist, durch große Forschungsvorhaben, wie es sie jetzt verstärkt durch die Clusterbildung im Exzellenzwettbewerb gibt, eine verbindlichere Kooperation zu erreichen. Interessant sind auch institutionalisierte Kooperationen wie das Karlsruhe Institute of Technology. Wichtig ist, dass alle Beteiligten davon profitieren. Das Promotionsrecht muss dabei ganz eindeutig bei den Universitäten bleiben.

Dann ist die „Berlin Research University“ doch ein gutes Modell für Berlin?

Ein Modell kann ich darin nicht erkennen. Wenn Hochschulen und außeruniversitäre Einrichtungen in Berlin besser kooperieren, würde das nicht nur der Wissenschaft in Berlin guttun, sondern auch Berlin als Wissenschaftsstandort international sichtbarer werden lassen – was im Übrigen auch für andere große Wissenschaftsstandorte gilt. Aber bis es so weit ist, muss noch ein langer Weg beschritten werden, für den es viel Kommunikation und Überzeugungsarbeit bedarf.

Die Fragen stellte Amory Burchard.

Wedig von Heyden (63) ist Generalsekretär des Wissenschaftsrats. Der Wissenschaftsrat richtet gemeinsam mit der DFG den Elitewettbewerb für die deutschen Universitäten aus

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