Elitewettbewerb : Humboldt liegt beim Senat vorn

Geld nach Leistung: FU auf Platz drei – der Elitewettbewerb zählte noch nicht.

Tilmann Warnecke

Die Humboldt-Universität (HU) hat in diesem Jahr am meisten von der leistungsbezogenen Mittelvergabe des Senats profitiert – und ist damit nach den Senatskriterien die beste Uni der Stadt. Sie nimmt zum zweiten Mal in Folge den Spitzenplatz ein. Die Technische Universität (TU) klettert auf den zweiten Platz. Die Freie Universität (FU) dagegen, die lange Zeit in diesem Vergleich am besten abschnitt, fällt auf den dritten Platz zurück. Die Grundlage für die Berechnung der 2008 vergebenen Gelder allerdings sind Leistungsdaten von 2006. Die Ergebnisse aus dem Elite-Wettbewerb im letzten Herbst – die FU wurde als einzige Berliner Hochschule zur Elite-Uni gekürt – spiegeln sich daher noch nicht in der Geldverteilung wider.

Der Senat vergibt einen Teil seiner Zuschüsse – in diesem Jahr 30 Prozent – auf der Basis von Leistungen in Forschung und Lehre sowie Gleichstellung. Die Daten veröffentlichte der Senat jetzt im Internet. Insgesamt erhält die HU von den anderen Unis 1,3 Millionen Euro. Die TU muss 239 000 Euro abgeben, die FU 1,1 Millionen. Der größte Teil des HU-Gewinns geht auf die Forschung zurück, bei der vor allem die Drittmittel der Unis gewertet wurden. Hier war gleichzeitig der FU-Verlust am größten. FU-Präsident Dieter Lenzen erklärte, der Generationswechsel mache seiner Uni zu schaffen. Derzeit müssten hundert Professuren neu besetzt werden. Neue Professoren bräuchten zudem einige Zeit, bis sie erfolgreich Drittmittel einwerben. Die Vorbereitung des Elite-Wettbewerbs hätte zudem zahlreiche Kräfte gebunden.

In der Lehre lag dagegen die FU vor HU und TU. Dabei wird bewertet, wie erfolgreich die Unis ihre Studierenden zum Abschluss führen und ob diese in der Regelzeit ihr Studium schaffen. In der Gleichstellung lag die TU vor FU und HU. Hier wird vor allem die Verbesserung der Frauenquote unter den Professoren gezählt. Die TU hat zwar den niedrigsten Anteil an Professorinnen. Sie profitiert aber davon, dass eine Verbesserung in den Technikwissenschaften mehr zählt als in den anderen Fächern.

Bei den Fachhochschulen gewinnt wie im letzten Jahr die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Im Plus ist auch die Alice-Salomon-Fachhochschule. Geld abgeben müssen dagegen die Fachhochschule für Wirtschaft, die Technische Fachhochschule und die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege.

Im kommenden Jahr könnte die Leistungsvergabe wieder anders aussehen. Der Senat veröffentlichte gleichzeitig den Leistungsbericht der Universitäten für 2007, der am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert werden soll. Die Daten aus diesem 2007er-Bericht sind die Grundlage für die im Jahr 2009 zu verteilenden Gelder. In der Forschung warb die FU 2007 dabei 22 Prozent mehr Drittmittel ein als im Vorjahr (58,8 Millionen Euro statt 48,2 Millionen). Sie überholte damit wieder die HU, die sich leicht von 53 auf 54,3 Millionen Euro steigerte. Die TU liegt hier mit 74,0 Millionen Euro an der Spitze (plus fünf Millionen). Die TU führt auch, wenn man umrechnet, wie viel jeder Professor an Drittmitteln einwarb: Jeder ihrer Professoren sammelte 260 000 Euro an Forschungsgeldern ein (HU: 180 000 Euro pro Kopf, FU: 176 000 Euro).

In der Lehre führen HU und FU ihre Studierenden deutlich besser als die TU zum Erfolg. Inzwischen schließen an der HU 73 Prozent eines Jahrgangs ihr Studium tatsächlich ab (plus sieben Prozent). An der FU stieg die Erfolgsquote um drei auf 65 Prozent. An der TU fällt die Erfolgsquote dagegen um fünf auf jetzt 52 Prozent. An den Fachhochschulen kommen die Studenten wie in den Jahren zuvor deutlich besser durchs Studium, ihre Erfolgsquote liegt bei 88 Prozent.

Bei der Gleichstellung konnte im letzten Jahr die FU wieder deutlich zulegen: 25 Prozent ihrer Lehrstühle sind inzwischen von Frauen besetzt (plus vier Prozent). Auch an der HU steigt die Quote leicht (von 19 auf 21 Prozent). Die TU stagniert dagegen nach mehreren Jahren der Steigerung (15 Prozent). Deutschlandweit liegt Berlin bei der Förderung von Frauen in der Wissenschaft an der Spitze, heißt es in dem Bericht. Tilmann Warnecke

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