Elitewettbewerb : Was Prognosen voraussagten

Wie gut ließ sich der Erfolg der Siegerunis im Elitewettbewerb vorhersagen? – Kaum, erklärte Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, als er am Freitag die Ergebnisse bekannt gab.

Strohschneider verwies zum Beweis auf eine Umfrage des Hochschulverbands. Vom Februar an bis kurz vor der Entscheidung hatten 4782 Wissenschaftler ihren Tipp auf der Homepage der Professorenvertretung abgegeben. Allerdings lagen die Wissenschaftler mit ihren Tipps gar nicht so schlecht. Ihre Top Drei – die Freie Universität, Aachen und Heidelberg – gingen durchs Ziel.

Aus dem Mittelfeld – Freiburg, Humboldt-Universität und Göttingen – schaffte es nur die HU überraschend nicht. Stattdessen ging das von den Wissenschaftlern gemeinsam mit Bochum als Schlusslicht gesehene Konstanz durchs Ziel.

Noch ein weiterer Tipp, deutlich im Vorfeld der Entscheidungen über beide Durchgänge des Wettbewerbs abgegeben, kam in die Nähe des tatsächlichen Ergebnisses. Im Januar 2006 veröffentlichte der Tagesspiegel eine Analyse des Wissenschaftsberaters Daniel J. Guhr. Dessen Illuminate Consulting Group nannte zehn Unis, die aufgrund ihrer wissenschaftlichen Qualität und aufgrund ihres politischen Standings gewinnen würden. Sechs davon gingen tatsächlich durchs Ziel: Aachen, Heidelberg, die beiden Münchener Unis, Göttingen und Karlsruhe. Anders als Guhr vorhersagte, scheiterten Darmstadt, die Humboldt- Universität, Dresden und Bonn.

Warum haben weder die beim Hochschulverband tippenden Wissenschaftler noch Guhr vorausgesagt, dass die Humboldt-Universität durchfallen würde? Im Elitewettbewerb entschied nicht nur die bereits erreichte Forschungsstärke einer Universität. Es ging auch maßgeblich um die Qualität der eingereichten „Zukunftskonzepte“. Hier konnte die HU überraschend nicht überzeugen. Guhr war in seiner Analyse davon ausgegangen, dass – sollten die Freie Universität und die Humboldt-Universität gleich gute Anträge einreichen – die Politik der HU den Vorzug geben werde. Damals erklärte er im Interview: „Berlin dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit nur eine Universität in die Königsliga bringen, und dies dürfte die HU sein. Der Bund wird sich nicht hinter die FU stellen, der Senat erst recht nicht.“ akü

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