Elitewettbewerb : Wie viele Elite-Unis nötig sind

24.01.2012 00:00 Uhrvon , Tilmann Warnecke

Sollen alle Exzellenzunis im Olymp bleiben dürfen? Dieser Vorschlag des bayerischen Wissenschaftsministers ist umstritten

Sollen die bisherigen neun Exzellenzuniversitäten in der nächsten Runde des Wettbewerbs im Sommer nur im Extremfall ihren Exzellenzstatus verlieren? 

Diese Meinung hat Wolfgang Heubisch, Bayerns Wissenschaftsminister (FDP), am Montag im Tagesspiegel geäußert. Statt am Ende nur noch eine kleine Gruppe von Exzellenzuniversitäten zu haben, solle eher die Chance genutzt werden, noch drei weitere hinzuzuwählen.

Zustimmung kommt nun von Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU): „Das ist ein sympathischer Gedanke, keine rauszuwerfen, sondern es additiv zu machen“, sagte Wanka auf Anfrage am Montag in Berlin.

Voraussetzung sei jedoch, dass die Gutachter zu diesem Ergebnis kommen. Die bisherigen Exzellenzunis müssten ihre selbst gesteckten Ziele erreicht haben. Auch Heubischs Gedanken, diesmal eine Exzellenzuni in Ostdeutschland zu schaffen, hält Wanka für erwägenswert: „Natürlich kann es keinen Proporz geben, und entscheidend sind wissenschaftliche Kriterien. Doch man muss bei der Entscheidung auch die Situation im Osten berücksichtigen und relative Entwicklungen anerkennen.“ Niedersachsen gehört zu den fünf Ländern, die in der dritten Förderlinie des Wettbewerbs eine Exzellenzuniversität bekommen haben: die Uni Göttingen.

Auch Erich Thies, der frühere Generalsekretär der Kultusministerkonferenz und emeritierter Professor der Humboldt-Universität, unterstützt Heubischs Ansicht: „Die Zeit zwischen der ersten und der zweiten Runde war zu kurz. Da wäre es eine unangemessene Härte, wenn man nun einzelnen Unis attestiert: ,Ihr habt euer Ziel nicht erreicht’“, sagte Thies auf Anfrage. „Wenn zusätzlich Universitäten hinzukommen, wäre das akzeptabel.“

Kritisch bewertet hingegen Ernst-Dieter Rossmann, Sprecher der AG Bildung und Forschung der SPD-Fraktion im Bundestag, Heubischs Äußerungen: „Wenn sich alle neun Exzellenzuniversitäten weiterhin als exzellent erweisen, soll man sie auch weiterhin fördern“, sagt Rossmann. „Aber mitten im Wettbewerb die Abstiegsregeln ändern, das geht nicht. Wie stehen wir denn sonst da?“ Die Exzellenzinitiative genieße hohes Ansehen. Deshalb müsse das Urteil der wissenschaftlichen Gutachter auch weiterhin „hohe Wertschätzung“ genießen, auch wenn die letzte Entscheidung bei den Politikern liege. Einen Automatismus dürfe es nicht geben. Die jetzigen Exzellenzuniversitäten müssten sich darauf gefasst machen, dass es wie in der Bundesliga auch Absteiger geben könne.

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Wolfgang Marquardt wollte die Äußerungen Heubischs nicht kommentieren. Es handle sich bei der Exzellenzinitiative „um ein laufendes Verfahren“, teilte eine Sprecherin mit.

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