Ende der Wehrpflicht : 2011 wird es an den Unis noch enger

Im kommenden Jahr soll die Wehrpflicht ausgesetzt werden – so will es die Bundesregierung. Die Hochschulen in Deutschland könnte das vor weitere Herausforderungen stellen: "Bis zu 50 000 zusätzliche Studierende" könnten an die Unis drängen.

von
Platz für Platz. Rektoren wollen die Unis auf den Ansturm vorbereiten.
Platz für Platz. Rektoren wollen die Unis auf den Ansturm vorbereiten.Foto: dpa

Es sind Studenten, die erst einmal ihren Wehr- oder Zivildienst abgeleistet hätten, sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), jetzt dem „Handelsblatt“.

Die zusätzlichen Abiturienten würden in einem Jahr einen Platz an den Hochschulen suchen, wenn ohnehin mit einem besonders großen Andrang gerechnet wird. Denn 2011 legen in den bevölkerungsstarken Bundesländern Bayern und Niedersachsen doppelte Jahrgänge ihr Abitur ab. Die KMK habe daher einen Staatssekretärsausschuss beauftragt, nach Wegen zu suchen, wie das Problem gemeistert werden könne. Möglicherweise werde eine Ausweitung des Hochschulpakts nötig, sagte Spaenle. Im Rahmen des Hochschulpakts sollen bis 2015 bereits 275 000 neue Studienplätze geschaffen werden, die aber jetzt nicht mehr ausreichen könnten.

Die KMK geht bei ihren Berechnungen von folgenden Zahlen aus: Im vergangenen Jahr wurden 68 000 junge Männer zum Wehrdienst einberufen. 90 000 machten Zivildienst. Insgesamt umfasst diese Kohorte also knapp 160 000 Männer. Gehe man davon aus, dass 40 Prozent eine Hochschulzugangsberechtigung haben, wären das rund 64 000 potenzielle Anwärter, heißt es. Da in der Regel rund 70 Prozent tatsächlich ein Studium aufnehmen, blieben immer noch 45 000 bis 50 000 zusätzliche Studienanfänger.

Die Hochschulrektorenkonferenz geht dagegen davon aus, dass im kommenden Jahr nur 18 000 bis 20 000 aus dieser Kohorte an die Hochschulen kommen werden. Die Zahl nannte Präsidentin Margret Wintermantel am Dienstag in Berlin. Die Hochschulen würden aber alles tun, um so schnell wie möglich zu eruieren, wie viele Abiturienten tatsächlich einen Platz wollten. Die Hochschulen seien sich „ihrer Verantwortung bewusst“, so vielen Abiturienten wie möglich ein Studium zu ermöglichen und ihnen auch gute Lehre anzubieten. Im „Handelsblatt“ forderte Wintermantel, Mittel aus dem Hochschulpakt müssten früher als bisher vorgesehen fließen.

Wintermantel äußerte sich kritisch zur Integrations- und Fachkräftedebatte. Diese trage Nuancen, die der notwendigen „Willkommenskultur“ widersprächen. Eine weltoffene Haltung des Landes sei für die Entwicklung der Wissenschaft in Deutschland unabdingbar. Tilmann Warnecke

Autor

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben