Energie : Neue Pflanzen braucht das Land

Forscher diskutieren über die Zukunft von Energiequellen. Etwa ein Drittel des Energiebedarfs wird heute durch Erdöl gedeckt. Doch die meisten Quellen werden binnen weniger Jahrzehnte versiegen.

Ralf Nestler

Auch Erdgas wird nur wenig länger zur Verfügung stehen. Wie diese Lücke geschlossen werden kann, darüber diskutierten jetzt namhafte Forscher beim Max-Planck-Forum in Berlin.

„Ich glaube, dass Mitte des Jahrhunderts die ersten Kraftwerke mit Kernfusionstechnik laufen werden“, sagte Alexander Bradshaw, bis vor kurzem Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Plasmaphysik in Garching. Der große Vorteil des Verfahrens: Eine unkontrollierbare Kettenreaktion wie in herkömmlichen Kernkraftwerken sei physikalisch un möglich, sagte er. Allerdings entsteht auch bei dieser Technik in geringem Maße radioaktiver Abfall. „Wir müssen die Risiken genau untersuchen und vorher erforschen, was man dagegen tun kann“, sagte der Physiker und erinnerte an den Start der ersten Kernreaktoren vor 50 Jahren. Damals seien in der Euphorie für die neue Technik deren Gefahren oft unterschätzt worden.

Eine andere Energiequelle, die Biomasse, ist längst erschlossen – und wird zu Unrecht gelobt, wie Mark Stitt findet. „In der Art, wie sie derzeit genutzt wird, ist sie keinesfalls nachhaltig“, sagte der Direktor vom MPI für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm. Die Pflanzen würden enorme Mengen Wasser und Nährstoffe verbrauchen und relativ wenig Energie liefern. „Es dauert viel zu lange, bis Raps einige Samen produziert, aus denen Biodiesel gewonnen wird. Außerdem wird der Großteil der Pflanze gar nicht zur Energieerzeugung genutzt und bleibt übrig“, sagte Stitt. Das sei kein Wunder, denn in der Züchtung habe man sich jahrhundertelang auf die Produktion von Nahrungsmitteln konzentriert und nicht auf eine energetische Nutzung.

Dafür müssen Pflanzen entwickelt werden, die schnell wachsen und eine hohe Fotosyntheseleistung haben – und damit viel Sonnenenergie speichern. „Zuckerrohr kommt unserem Ziel schon recht nahe“, sagte Stitt. Auch schnell wachsende Hölzer wie Pappeln oder Weiden seien geeignet. Um aus den Pflanzenteilen flüssige und gasförmige Brennstoffe zu machen – gewissermaßen Nachfolger für Benzin und Erdgas – müssen die harten Substanzen wie der Holzstoff Lignin aufgebrochen werden. Das ist bislang noch sehr aufwendig. Deshalb müssten Pflanzen mit leicht abzubauenden Strukturen gezüchtet werden, sagte Stitt. Ob dafür klassische Methoden genügen, sei ungewiss. Deshalb wolle er auch den Einsatz der Gentechnik nicht ausschließen.

Um die Energieversorgung zu sichern, werden aber auch große Speicher be nötigt, vor allem wenn der Anteil von Wind- und Sonnenstrom zunimmt. Darauf machte Robert Schlögl, Direktor am Fritz-Haber-Institut in Berlin-Dahlem, aufmerksam. „Dafür kommt vor allem Wasserstoff infrage, aber auch Salze und Metallhydride.“ Der Chemiker hält es für möglich, dass es bereits in drei Jahren einen Wasserstoffspeicher für Windkraftanlagen gibt. Schlögl: „Wenn es um die künftige Energieversorgung geht, sollte man allen Technologien eine Chance geben – auch wenn sie nicht von Anfang an wirtschaftlich sind.“

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