Energie : Solange der Vorrat reicht

Unseren modernen Gesellschaften gehen die Rohstoffe aus. Kohle und Uran gibt es noch in Massen. Als Erstes wird die Energiequelle Erdöl versiegen.

Dagny Lüdemann
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Schwarzes Gold. Vor allem Europa und die USA sind auf Ölimporte angewiesen.

Der weltweite Energiebedarf steigt weiter, während das Erdöl immer knapper wird. Wie lange die Rohstoffvorräte noch ausreichen, hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) untersucht. Nach einer jetzt veröffentlichten Studie ist die Versorgung mit Erdöl nur noch zehn bis 15 Jahre gesichert. Erdgas, Kohle und Ausgangsstoffe für die Gewinnung von Kernenergie sind dagegen noch ausreichend vorhanden.

Erdöl spielt derzeit die größte Rolle bei der Energiegewinnung – und wird als Erstes knapp werden. Weltweit gibt es noch 163 Milliarden Tonnen Ölreserven (siehe Kasten). Hinzu kommen Ölressourcen von 82 Milliarden Tonnen, deren Förderung bislang noch unwirtschaftlich wäre. Seit Beginn der industriellen Förderung wurden knapp 40 Prozent der Erdölressourcen verbraucht. Zwar gibt es Alternativen zu fossilem Erdöl, doch dieses Ersatzöl, das aus Sand und Schiefer gewonnen wird, kann die steigende Nachfrage nach Auffassung der BGR nicht kompensieren.

Auch in Deutschland ist Erdöl Hauptenergieträger. Deshalb ist die Bundesrepublik, was ihre Energieversorgung angeht, besonders importabhängig – denn fast 100 Prozent des hierzulande benötigten Öls müssen im Ausland gekauft werden. Diese Abhängigkeit ist auch von politischer Bedeutung, da 62 Prozent der bekannten Ölreserven auf die Golfstaaten entfallen (siehe Grafik).

Erdgas ist nach Ansicht der BGR noch ausreichend vorhanden, um über Jahrzehnte den absehbaren Bedarf zu decken. Sein Anteil am weltweiten Energiemix wird voraussichtlich leicht ansteigen.

Und auch Kohle ist keineswegs ein veralteter Rohstoff. In der Studie der Bundesanstalt wurden erstmals auch die Ressourcen in China und den ehemaligen GUS-Staaten berücksichtigt. Dadurch ergibt sich im Vergleich zu den Vorjahren ein völlig neues Bild: Der Kohlebedarf steigt seit 2002 wieder und kann voraussichtlich noch mindestens 100 bis 200 Jahre gedeckt werden. Für das Jahr 2030 wird prognostiziert, dass der Anteil der Kohle am weltweiten Energieverbrauch deutlich vor Erdgas liegen wird, was vor allem am überdurchschnittlich hohen Verbrauch in China liegt.

Für Deutschland ist die Kohle deshalb so wichtig, weil sie die einzige Energiequelle ist, über die das Land selbst in großen Mengen verfügt.

Bei den Kernbrennstoffen Uran und Thorium ist in den nächsten Jahrzehnten kein Engpass zu erwarten.

Die Studie zeigt also, dass aus wirtschaftlicher Sicht ausgerechnet die Rohstoffe Zukunft haben, deren Nutzung sowohl von Klimaschützern als auch von Atomkraftgegnern kritisch betrachtet wird. Denn bei der Nutzung von Kohle werden erhebliche Mengen des Treibhausgases CO2 freigesetzt – wobei bereits Technologien entwickelt werden, die die Kohlenutzung umweltfreundlicher machen sollen. Auch die umstrittene Kernkraft ist im Hinblick auf ihre Ausgangsstoffe zukunftsträchtig, da diese ausreichend vorhanden sind.

Künstlich gewonnene Ersatzstoffe können in absehbarer Zeit wohl nicht in solchen Mengen erzeugt werden, dass sie den wachsenden Bedarf decken. Und auch der Anteil, den erneuerbare Energien wie Windkraft, Wasserkraft oder die traditionelle Biomasse, also Holz, zum Gesamtverbrauch beisteuern, liegt heute bei nur rund 17 Prozent. Da der Energieverbrauch vor allem in Schwellenländern wie Indien oder China dramatisch ansteigt und noch immer mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu Elektrizität hat, geht die Internationale Energieagentur (IEA) von einem weiteren Anstieg aus. Sie rechnet außerdem damit, dass die fossilen Brennstoffe auch in den kommenden Jahrzehnten Hauptenergiequelle bleiben und schätzungsweise 83 Prozent des Verbrauchsanstiegs bis 2030 decken werden. Bei einem jährlich um 1,3 Prozent wachsenden Bedarf an Erdöl wird die weltweite Förderung etwa um das Jahr 2020 ihren Höhepunkt erreichen. Spätestens dann wird Erdöl so teuer sein, dass es nicht mehr wirtschaftlich als Energieträger einsetzbar ist. Das heißt: In zehn bis 15 Jahren wird sich kein normalverdienender Autofahrer mehr herkömmliches Benzin leisten können – und zwar selbst dann nicht, wenn Fahrzeuge bis dahin durch neue Technologien weniger als drei Liter auf 100 Kilometern verbrauchen.

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