England : Britische Privatschulen sind klamm

Die Finanzkrise erreicht auch die englischen Privatschulen: An einigen Colleges dürfen Eltern die Zahlungen aussetzen. Ansonsten setzen die Schulen auf reiche Ausländer.

Verena Friederike Hasel
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Zusammenrücken. Privatschulen entlassen Lehrer, die Klassen werden größer. Im Bild Prinz Harry (2. v. li.) im Jahr 1991. Foto: dpa

Ein wenig verzweifelt klang der Rundbrief schon, den der Direktor einer bekannten englischen Privatschule vor kurzem an sein Kollegium schickte. Sie sollten bitte in Zukunft darauf achten, das Licht auszuschalten, wenn sie es nicht brauchten, schrieb er. Tatsächlich ist der Sparbedarf der Privatschulen auf der Insel groß: Wie vergangene Woche bekannt wurde, sind ihre Schülerzahlen das erste Mal seit 15 Jahren gesunken. Zwar verzeichnen sie immer noch rund eine halbe Million Schüler, aber aufgrund der Wirtschaftskrise rechnen die Schulen mit dem Schlimmsten. „Ich bezweifle, dass es auch nur eine Privatschule gibt, die nicht sehr intensiv darüber nachdenkt, was in Zukunft passieren wird“, sagte Nick Dorey von der Society of Heads of Independent Schools.

Um die Gefahr zu bannen, greifen einige dieser Schulen zu durchaus ungewöhnlichen Methoden: Am Wellington College in Berkshire können Eltern die Zahlungen der Schulgebühren aussetzen – so lange sie ihr Eigenheim als Sicherheit bieten. Die Collingwood School in Surrey bietet denjenigen Eltern, die das ihnen verbliebene Geld krisensicher anlegen wollen, dagegen an, Schulbildung für drei Jahre im Voraus einzukaufen. In einer Befragung gaben 60 Prozent der Privatschulen an, dass Eltern schon jetzt Zahlungsprobleme bekundet hätten. Viele Schulen werden ihre Gebühren 2009 deshalb weitestgehend einfrieren. Während Eton, mit 32 000 Euro jährlich eine der teuersten Schulen, 2008 noch sechs Prozent mehr Gebühren als zuvor erhoben hatte, wird die Steigerung in diesem Jahr nur 2,8 Prozent betragen.

Ansonsten setzen die Schulen auf das Ausland. Die Erfahrung hat gezeigt: Je schwächer das britische Pfund, desto stärker wird das Interesse an britischer Bildung. Tatsächlich gewannen britische Privatschulen in den letzten zwölf Monaten 9000 Schüler aus dem Ausland dazu, viele von ihnen aus Hongkong und China, aber auch aus europäischen Ländern wie Deutschland. 30 Schulen werden sich dieses Jahr erstmals auf Bildungsmessen in Korea und Thailand vorstellen, die das British Council ausrichtet. Und am Wellington College in Berkshire denkt man noch einen Schritt weiter: 2011 will die Schule ihre erste Dependance in Peking aufmachen, weitere sollen wie in einem Franchisesystem in Indien und Bahrain folgen.

Doch während man das britische Bildungssystem zur Exportware ausruft, verlieren die Schulen auf der Insel ihr Alleinstellungsmerkmal: Bislang kamen in der Sekundarstufe auf einen Privatschullehrer 10 Kinder, an staatlichen Schulen muss sich jeder Lehrer dagegen um 21 Kinder kümmern. Nun entlassen die ersten Privatschulen ihre Lehrer. Weil Klassen zusammengelegt werden müssen, werden mehr Kinder in einer Gruppe unterrichtet. Da hilft es wenig, dass die Privatschulen versuchen, die veränderten Bedingungen zum Konzept zu erheben. Die kleinen Klassen seien eine Wunde, die man sich selbst zugefügt habe, sagte etwa David Hanson von der Independent Association of Prep Schools. Und versprach, dass größere Klassen manche Probleme beseitigen würden. Mitunter, sagte Hanson, sei der Unterricht an Privatschulen einfach „zu intensiv“ gewesen. Verena Friederike Hasel

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