Engpass bei Berufungen : TU Berlin muss sparen

Weniger Geld für Professuren, Einsparungen bei der Ausstattung von Lehrstühlen: Die TU Berlin muss sich einschränken - auch und vor allem bei den Neuberufungen.

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Die Technische Universität Berlin sieht sich vor einer dramatischen Haushaltssituation. Das könnte auch die Berufungen von neuen Professoren beeinflussen, wie jetzt im Kuratorium der Uni klar wurde. In den vergangenen Jahren hatte die TU ein Professorenerneuerungsprogramm aufgelegt, um den Generationswechsel positiv gestalten zu können. Dafür stand ein Etat von 30 Millionen Euro zur Verfügung. Durchschnittlich konnte ein neu berufener Professor mit 400 000 Euro ausgestattet werden. Denn an einer Uni mit Schwerpunkt in den Ingenieur- und Naturwissenschaften braucht ein Professor auch Labore oder Werkstätten. Führende TUs in Aachen, Karlsruhe und München können sogar mit mehr als 400 000 Euro bei einer Neuberufung locken.

Doch wegen großer finanzieller Belastungen wird die TU künftig nur noch bei besonders wichtigen Berufungen so viel Geld ausgeben können. Für solche „strategischen“ Berufungen sollten künftig zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen. Diesen Vorschlag des Haushaltsausschusses stellte Präsident Jörg Steinbach im Kuratorium vor. So könnten nur vier bis fünf neu berufene Professuren überdurchschnittlich ausgestattet werden. Andere, „normale“ Berufungen müssten mit weniger Geld auskommen. Es stehen noch rund 50 Neuberufungen an.

Wie ist diese finanzielle Krise zu erklären? Der TU stehen in den nächsten Jahren pauschale Minderausgaben ins Haus, die sich von heute 5,8 Millionen auf 7,8 Millionen 2012 und 12,4 Millionen Euro im Jahr 2013 steigern können. Bis zum Jahr 2018 könnte es sich sogar auf rund 30 Millionen Euro erhöhen, wenn die Uni nicht gegensteuere. Steinbach drückte es so aus: Die 210 Millionen Euro, die die TU heute für ihre Personalkosten im Haushalt habe, „nehmen uns jegliche Gestaltungsmöglichkeiten“. Kanzlerin Ulrike Gutheil erklärte, dass die Erhöhung des Landeszuschusses um 6,6 Millionen Euro für Tariferhöhungen verbraucht werde. Außerdem muss die TU jährlich 40 Millionen Euro für Pensionslasten aufbringen.

In den vergangenen Jahren hat die TU einen Teil dieser Belastungen über eine Minderung der Mietkosten durch die Konzentration auf die Standorte Charlottenburg und Wedding ausgleichen können. Da das Land Berlin keine Neubauten bewillige, müsse die Uni nun aber für die Unterbringung von Drittmittelprojekten wieder Räume anmieten. Außerdem habe die TU einen Nachholbedarf bei der Sanierung ihres Altbaubestandes. Die TU könne nicht gleichzeitig steigende Lohnkosten und höhere Kosten für Strom, Gas und Wasser mit dem bestehenden Landeszuschuss bewältigen.

Um das Defizit im Haushalt nicht zu hoch werden zu lassen, denkt Steinbach an Alternativen bei den Neuberufungen. Die Fakultäten sollten verstärkt Nachwuchswissenschaftler in den günstigeren Besoldungsgruppen W I und W II einstellen, was aber nur gelingen könne, wenn den neuen jungen Wissenschaftlern eine Tenure-Perspektive auf die höhere W-III-Professuren eröffnet werde. Die Stellen in der Zentralen Universitätsverwaltung und in den Zentraleinrichtungen werden überprüft. Ziel sei es, die Haushaltsunterdeckung zu überleben. Die TU könne nicht die doppelten Abiturientenjahrgänge und die Bewerber, die wegen Aufhebung der Wehrpflicht verstärkt Studienplätze nachfragen, „draußen lassen“.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Gesine Schwan, die Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance, beide Mitglieder des Kuratoriums, bewerteten die Haushaltsnotlage als Beispiel für die Unterfinanzierung der Unis und des gesamten Bildungsbereichs.

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