Epidemien : Neue Impfstoffe schützen bei erneutem Ebola-Ausbruch

Die Impfung gegen mehrere Varianten könnte vor allem Ärzte und Pfleger helfen. Eine Initiative will eine Milliarde Dollar für die Entwicklung von Notfall-Impfstoffen aufbringen.

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Krankenpfleger begleiten eine Ebola-Patientin in ein Behandlungszentrum in Liberia im Jahr 2014. Liberia wurde als letztes Land überhaupt im Januar 2016 für frei von Ebola erklärt.
Krankenpfleger begleiten eine Ebola-Patientin in ein Behandlungszentrum in Liberia im Jahr 2014. Liberia wurde als letztes Land...Foto: EPA/Ahmed Jallanzo/dpa

Obwohl sich die internationale Forschergemeinde während der Ebola-Epidemie in Westafrika beeilte, Impfstoffe gegen Ebola zur Verfügung zu stellen, kamen die meisten Neuentwicklungen zu spät. Zwar konnte der „Zebov“-Impfstoff noch während des bis 2016 andauernden Ausbruchs an 17 000 Menschen in Guinea erfolgreich getestet werden, sodass die US-Pharmafirma Merck Sharp & Dohme (MSD) die Vakzine noch in diesem Jahr bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung anmelden und dann im sächsischen Burgwedel produzieren will.

Doch es gibt eine Reihe anderer Ebola-Impfstoffkandidaten, die bei einem nächsten Ausbruch zur Hand wären – auch wenn ihre Wirksamkeit nicht mehr während des letzten Ausbruchs getestet werden konnte. „Es findet zurzeit ein Paradigmenwechsel statt“, sagt Stephan Becker, Virologe an der Universität Marburg und Organisator einer internationalen Virologenkonferenz, die diese Woche in Marburg stattfindet.

Letzte Prüfphase direkt vor Ort

Statt Impfstoffe aufwendig und teuer durch alle Prüfphasen zu bringen, testen Forscher nur noch die Sicherheit und Verträglichkeit eines Impfstoffkandidaten an gesunden Probanden. „Dann wird genug Impfstoff vorproduziert und vorgehalten, um im Falle eines Ausbruchs schnell und direkt vor Ort die dritte und letzte Phase der klinischen Tests machen zu können“, sagt Becker. Dazu gehört ein Kombinationsimpfstoff, der besonders lange und gegen mehrere Ebola-Varianten wirken soll, entwickelt von einem Forscherteam um Matthew Snape von der Universität Oxford in England.

Zum einen besteht er wie der MSD-Impfstoff aus einem Eiweiß aus der Hülle des Ebola-Virus, einem Glykoprotein. Eingebaut in einen Schnupfenvirus (Adenovirus Typ 26), soll das in einer ersten Impfung (Prime) Schutz vor dem Zaire-Typ des Ebola-Virus vermitteln. Der zweite Teil der Impfung (Boost) versucht, diesen Schutz auf nah verwandte Varianten von Ebola-Viren auszuweiten, die Filoviren Sudan, Marburg oder Tai Forest. Die Boost-Impfung besteht daher aus zusätzlichen Hüllproteinen dieser Virustypen, die verpackt in einem veränderten Vaccinia Virus Ankara (MVA-BN-Filo) verabreicht werden.

Besserer Schutz für Pflegepersonal

Tests dieses Prime-Boost-Impfschemas an insgesamt 64 Probanden ergaben jetzt, dass das Immunsystem aller Testpersonen auch noch ein Jahr nach dieser Doppelimpfung eine Reaktion gegen Ebola zeigte. Das wäre die bislang längste Schutzwirkung eines Prime-Boost-Impfstoffs gegen Ebola, schreiben die Forscher im Fachblatt „Jama“. Besondere Nebenwirkungen beobachteten sie nicht. Die Forscher erhoffen sich damit einen besseren Schutz von Pflegepersonal und Ärzten in den betroffenen Regionen im Fall eines erneuten Ausbruchs der Seuche.

„So ein polyvalenter Impfstoff ergibt dann Sinn, wenn man Helfer prophylaktisch impfen will, die in Afrika im Einsatz sind und denen man den Impfstoff nicht erst im Fall eines Ausbruchs geben kann“, sagt Becker. „Die Idee ist, mit einer Prime-Impfung vor einem Ausbruch möglichst viel Pflegepersonal zu erreichen und dann kurz nach Beginn einer Epidemie mit dem zweiten Impfstoff eine höhere Immunität zu erreichen.“ Ob sich das in der Realität umsetzen lässt, müsse sich erst zeigen. Vor allem sei der Zweifach-Impfstoff bislang nur an Europäern getestet worden und müsse sich erst in afrikanischen Populationen bewähren.

Betroffene Länder brauchen bessere Gesundheitssysteme

Welche Impfstoffe in Afrika auch immer zum Einsatz kommen werden – eine wichtige Lektion aus der Ebola-Epidemie ist, dass es öffentlicher Förderung bedarf, um die Erforschung und Entwicklung neuer Impfstoffe anzuregen. Denn so dringend nötig sie für die öffentliche Gesundheit auch sein mögen, sind etwa Ebola-Epidemien zu selten, als dass sich die Entwicklung eines Impfstoffs für eine Pharmafirma lohnen würde.

Dem soll die CEPI-Initiative entgegenwirken, die Coalition for Epidemic Preparedness Innovations, die beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet wurde. Die Bill und Melinda Gates Stiftung, der Wellcome Trust und Länder wie Norwegen, Japan und Deutschland wollen bis Ende des Jahres eine Milliarde Dollar aufbringen, mit denen die Entwicklung und Herstellung von Notfall-Impfstoffen gefördert werden soll.

„Die Impfstoffherstellung ist wichtig, denn wenn es keine Möglichkeit gibt, Ebola zu behandeln oder davor zu schützen, ist es sehr schwer, die Menschen im Fall eines neuen Ausbruchs in die Behandlungszentren zu bekommen“, sagt Becker. „Solange wir nichts anbieten können, haben wir kein Argument dafür, dass die Menschen sich besser in den Krankenhäusern als zu Hause behandeln lassen.“ Allerdings sind die Bemühungen um neue Impfstoffe nicht viel wert, wenn es nicht gelingt, die betroffenen Länder zur Verbesserung ihrer Gesundheitssysteme zu bewegen, sagt Becker. „Und diese Infrastruktur muss von den Ländern selbst aufgebaut werden, denn alles, was von außen kommt, ist nur ein Strohfeuer und nicht nachhaltig.“

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