• Er hat eigentlich immer Fragen Europa-Sieger von „Jugend forscht“ studiert an der TU Berlin

Wissen : Er hat eigentlich immer Fragen Europa-Sieger von „Jugend forscht“ studiert an der TU Berlin

Patricia Pätzold

Es begann bei „Jugend forscht“. Sein patentierter Flügel im Windkanal hatte dem Schüler Pawel Piotrowski vor zwei Jahren den renommierten Preis der besten Jungforscher Deutschlands eingetragen. Danach wurde er Europasieger. Er bekam den Sonderpreis des Bundeskanzlers und dinierte mit der schwedischen Königsfamilie anlässlich der Nobelpreisverleihung im Dezember 2002 in Stockholm. Inzwischen hat der physikbegeisterte junge Mann zwei Semester des Studiums der Luft- und Raumfahrt an der TU Berlin hinter sich. Wie erlebt so ein hoffnungsvoller Anwärter auf wissenschaftliche Meriten den Studienalltag an einer so großen Hochschule wie der TU Berlin?

„Es nimmt mich eigentlich keiner als etwas besonderes wahr“, erzählt der mittlerweile 20-jährige Pawel Piotrowski. „Es gibt hier so viele Studenten, dass ich komplett untertauche. Die meisten wissen nichts über meine Erfindung und den Erfolg, den ich damit hatte.“ Das ist dem eher bescheidenen jungen Mann recht. Er tüftelt gern, zunächst einmal unbeobachtet. Schon hat er eine neue patentverdächtige Erfindung in Arbeit. An der Uni ist er noch immer ein Anfänger. Seine ersten beiden Semester hat er mit dem im Studienführer empfohlenen Programm vollgestopft, darunter Mechanik, Analysis, Konstruktionslehre, Physik und Werkstofftechnik.

Nur mühsam erkennt er das Ziel, das hinter den theoretischen Studien durchschimmert. Eines unterscheidet ihn jedoch von etlichen Kommilitonen: „Ich habe immer Fragen und bin immer auf der Suche nach jemandem, der sie mir beantwortet.“ Zum Beispiel sein Mathedozent, der ihn einmal zufällig bei einem Vortrag in der Urania beobachtet hat. „Er ist bereit, mich bei mathematischen Problemen zu unterstützen“, erzählt Piotrowski.

Natürlich ist der junge Erfinder neugierig auf die Forschungsprojekte an seiner Uni. Doch damit hat er im zweiten Semester zu seinem großen Bedauern noch nicht viel zu tun. Er nutzt einen anderen Weg, um sich Einblicke in die Praxis zu verschaffen: In den Semesterferien absolvierte er ein Praktikum auf dem Flughafen Tempelhof. Dort durfte er bei der Wartung kleiner Cessnas mitarbeiten, sie auseinander- und wieder zusammenschrauben. „Ich wusste bis dahin nicht, wie viele Teile ständig ausgewechselt werden und welchen Belastungen sie standhalten müssen.“ Er betrachtet seinen Lehrstoff jetzt mit anderen Augen. Das Berufsziel steht ihm klar vor Augen: Er will in der Entwicklung von Flugzeugen arbeiten. Da wäre er als Erfinder sicher gut aufgehoben. Oder gibt er vielleicht einer wissenschaftlichen Karriere den Vorzug?

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