Erstes Konzil von Nicaea : Tagungsort im Iznik-See entdeckt?

Türkische Archäologen entdecken im Iznik-See eine Ruine. Es könnte sich um den Tagungsort des ersten Konzils von Nicaea handeln. Der Ort des siebten Konzils, die Hagia Sophia von Iznik, ist seit 2011 Moschee.

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Christliches Erbe. Die Hagia Sophia von Iznik im Zentrum von Iznik.
Christliches Erbe. Die Hagia Sophia von Iznik im Zentrum von Iznik.Foto: picture-alliance

Die Wellen rauschen ans Ufer des Iznik-Sees im Nordwesten der Türkei. Ascanius hieß dieser See früher, die Stadt am Ufer hieß Nicaea und war eine Metropole des oströmischen Reiches. In der Geschichte des Christentums hat diese Stadt, die heute Iznik heißt, einen besonderen Platz, denn hier tagten zu byzantinischer Zeit zwei der sieben allgemein anerkannten Ökumenischen Konzile, und zwar das erste und das letzte. Noch heute ziert der Tagungsort des siebten Konzils, die Hagia Sophia, den zentralen Platz von Iznik, aber der Tagungsort des ersten Konzils wurde nie gefunden. Nun haben türkische Forscher eine wichtige Entdeckung gemacht: Auf Luftaufnahmen entdeckten sie im Iznik-See die Umrisse einer antiken Ruine. Handelt es sich dabei um den Schauplatz des Konzils?

„Die Ruine befindet sich etwa 20 Meter vom Ufer entfernt und liegt 1,5 bis zwei Meter tief unter Wasser“, sagt Mustafa Sahin, Professor für Archäologie an der Uludag-Universität im westtürkischen Bursa. „Es handelt sich dabei um eine dreischiffige Basilika aus dem vierten bis fünften Jahrhundert.“ Aufgrund der Steine und Geröllbrocken im Inneren vermutet Sahin, dass der Bau bei dem schweren Erdbeben von 740 einstürzte und überflutet wurde. Die Apsis sei nach Osten ausgerichtet, ein Hinweis auf einen Kirchenbau, der möglicherweise auch nach dem Konzil errichtet worden sei – zu Ehren des Heiligen Neophytus. Er war in Nicaea bei den römischen Christenverfolgungen gefoltert und getötet worden.

In der Spätantike war Nicaea eine der bedeutendsten Städte der Region, wovon ihre prächtigen Stadttore und das 20 000 Zuschauer fassende Theater noch heute zeugen. Die Macht im Römischen Reich war zu Beginn des 4. Jahrhunderts von Rom auf Konstantinopel übergegangen. Zugleich hatten sich die Geschicke des Christentums dramatisch zum Guten gewandelt: Die Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte waren vorbei, Kaiser Konstantin I. hatte den christlichen Glauben angenommen, von einer verfolgten Sekte war das Christentum auf dem Weg zur Staatsreligion. Mit neuer Macht und Dringlichkeit stellten sich nun die Fragen nach Dogmen und Doktrin dieser Kirche.

"Ich glaube an den einen Gott ..."

Mehr als 300 Bischöfe fanden sich im Mai 325 zum Konzil in Nicaea ein, um ein für allemal die Frage nach dem Wesen Jesu Christi zu beantworten. Diese Frage hatte Arius aus Alexandrien aufgeworfen, der Jesus hinter Gott zurückstufen wollte. Nach wochenlangen Beratungen verurteilte das Konzil seine Lehre als Häresie und schrieb die Wesenseinheit von Christus und Gott im Bekenntnis von Nicaea nieder, das später auf dem zweiten Ökumenischen Konzil in Konstantinopel seine endgültige Fassung bekam und noch heute von fast allen Christen der Welt rezitiert wird: „Ich glaube an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.“

Reste byzantinischer Ziegel am Ufer des Sees

Überliefert ist, dass dieses historische Konzil in einem kaiserlichen Palast in Nicaea tagte, der Senatspalast genannt wurde. Gefunden wurde der Palast nie, auch wenn am Ufer des Sees unter ein paar Feigenbäumen ein schiefes Hinweisschild mit der Aufschrift „Senatspalast“ steht – ein Überbleibsel von einer vorübergehenden Begeisterung der Stadtväter von Iznik für einen christlichen Glaubenstourismus. Doch im See hatte bislang niemand nach Überresten des byzantinischen Reiches gesucht. Dabei sind die grauen Kiesel am Strand mit roten Backsteinbrocken durchmischt, die vom Wasser abgeschliffen sind, Reste byzantinischer Ziegel.

Umso mehr lässt der archäologische Fund jetzt aufhorchen. Die Umrisse des Bauwerks müssen nicht für einen Sakralbau sprechen. Mit Apsiden versehene Basiliken wurden in der Antike ursprünglich als Prachtbauten errichtet. Erst nach der Christianisierung des Römischen Reiches wurden auch Kirchen so gebaut. Es könnte sich bei den Ruinen also tatsächlich um die Überreste jenes kaiserlichen Sommerpalastes handeln, in dem das Konzil im Jahr 325 tagte. Klarheit darüber werden allerdings erst die Untersuchungen unter Wasser bringen können, die Sahin jetzt beim türkischen Kulturministerium beantragen will.

In der Hagia Sophia von Nicaea jedenfalls tagte 787 das siebte und letzte allgemein anerkannte Ökumenische Konzil, das den Ikonoklasten eine Absage erteilte. Die Kirche wandelte man 2011 in eine Moschee um.

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