• Erwiderung zum Berliner Institut für Gesundheitsforschung: Wir sind auf dem richtigen Weg

Erwiderung zum Berliner Institut für Gesundheitsforschung : Wir sind auf dem richtigen Weg

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung werde den Erwartungen nicht gerecht - so lautet die Kritik von Andreas Eckert im Tagesspiegel. Darauf antwortet nun der Chef des BIH, Ernst Theodor Rietschel.

Ernst Th. Rietschel
Ernst Theodor Rietschel ist Vorstandsvorsitzender des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung.
Ernst Theodor Rietschel ist Vorstandsvorsitzender des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung.Foto: Promo

Unglaublich, aber wahr: Die Gesundheitsforschung in Berlin steht an einem neuen Anfang. Vor wenigen Wochen wurde das Gesetz zur Errichtung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung vom Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet. Damit gelangte der Gründungsprozess unserer neuen Einrichtung, die die Kompetenzen der zwei exzellenten Forschungseinrichtungen Charité und Max-Delbrück-Centrum (MDC) in einer Institution zusammenführt, zu einem erfolgreichen Abschluss.

Zur Erinnerung: Das wissenschaftliche Konzept für das Berliner Institut für Gesundheitsforschung oder Berlin Institute of Health (BIH) entstand 2013. Das Konzept entwickelten exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von MDC und Charité, ein internationales Gutachtergremium bewertete es positiv. Die operative Umsetzung begann 2014. Hinter welchen Erwartungen sind wir also zurück geblieben – wie im Gastbeitrag von Herrn Andreas Eckert im Tagesspiegel behauptet –, wenn wir eine so junge Einrichtung sind?

Hohe Erwartungen an das BIH

Richtig ist: Es gibt hohe Erwartungen an das BIH und seine Forschung, denn das, bitte nicht vergessen, ist zunächst einmal unsere primäre Aufgabe: exzellente translationale und systemmedizinische Forschung auf den Weg bringen, um mit neuem biomedizinischen Wissen besser und schneller neue Maßnahmen für Prävention, Diagnostik oder Therapien zu entwickeln.

Damit dies gelingen kann, ist es unerlässlich, fächerübergreifende Forschungsprojekte zu initiieren, in denen Grundlagenforscherinnen und -forscher sowie in der klinischen Forschung und Praxis Tätige an gemeinsamen Fragestellungen zu Krankheit und Gesundheit arbeiten, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für translational ausgerichteten Nachwuchs anzubieten sowie Top-Infrastrukturen für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereitzustellen. Daran arbeiten wir von Anfang an: am Auf- und Ausbau der Technologieplattformen wie den Omics-Technologien (Genomik, Proteomik, Metabolomik), Biobanken, Stammzell-Einheiten, transgenen Techniken oder der Bioinformatik. Sie ermöglichen first class translationale Forschung.

Ausgründung "Berlin Cures" entwickelt Medikament zur Behandlung von chronischer Herzschwäche

Transferprozesse, also Erfindungen aus der Wissenschaft in Innovationen und neue Produkte zu überführen, werden zusätzlich über einen Translationsfonds gefördert. Durch den Fonds werden Projekte gefördert, die kommerzielles oder klinisches Innovationspotenzial besitzen, deren wirtschaftliche Verwertbarkeit aber noch validiert werden muss. Die Fördermittel dienen dazu. Der Fonds wird zweimal jährlich ausgeschrieben. 2014 starteten die ersten vier Projekte.

Noch ein Einblick in die Fakten. Die Technologietransfer-Stellen von Charité und MDC arbeiten sehr erfolgreich. Die Charité bewegt sich seit Jahren im Bereich wissenschaftsbasierte Ausgründungen in der Spitzengruppe, zusammen mit großen Volluniversitäten und technischen Hochschulen. Zu anderen Erfolgsgeschichten gehören der exklusive Lizenzvertrag mit einem weltweiten tätigen Medizintechnikanbieter für ein neuartiges Diagnosesystem zur Vorhersage von verzögerter Knochenheilung oder die gemeinsame Ausgründung von MDC und Charité im vergangenen Jahr in dem Unternehmen Berlin Cures, das ein neues Medikament zu Behandlung chronischer Herzschwäche entwickelt.

Gute Forscher brauchen auch eine gute Infrastruktur

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung ist eine Forschungseinrichtung und keine Transfer-Einrichtung. 100 Juniorprofessoren, wie von Eckert vorgeschlagen, sind nicht das Erfolgsrezept, denn die brauchen neben ihrem Gehalt auch Arbeitsplätze, Laborflächen, Verbrauchsmittel, Personal und natürlich Infrastrukturen. Das alles fällt nicht vom Himmel, sondern wird von uns in synchronisierten Prozessen auf den Weg gebracht. Wir „versenken“ nichts, wir haben kompetitive Verfahren und Peer-Review-Prozesse. Also Prozesse, in denen externe Gutachter die Relevanz und Effizienz von Vorhaben bewerten – das gilt auch für unsere Technologietransfer-Prozesse. Davon lassen wir uns leiten. Wahr ist letztlich auch: Wer am BIH forschen will, will translationale Forschung zum Wohle der Menschen machen. Wer es zum Jungmillionär schafft, umso besser. Wir können Translation.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung.

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