Wissen : EU will die Forschung ankurbeln

von

80 Milliarden Euro hat die Europäische Kommission veranschlagt, um Investitionen in Forschung und Innovation in der Periode von 2014 bis 2020 zu fördern, wie am Mittwoch bekannt wurde. Die Europapolitiker hoffen, dass das europäische Parlament diese Etatsteigerung um 25 Milliarden Euro genehmigen wird.

Der stellvertretende Generaldirektor für Forschung und Innovation der EU-Kommission, Rudolf Strohmeier, erklärte in Berlin, Europa leide an fehlender Wirtschaftskraft, vor allem in jenen Ländern, die nicht mit den großen und starken Ländern wie Deutschland, Frankreich und selbst mit Italien mithalten könnten. Erstmals will die EU-Kommission nicht nur Forschungsprogramme fördern, sondern „die gesamte Innovationskette berücksichtigen“. Das heißt, wie die Forschungsergebnisse von Universitäten und Fachhochschulen von der Wirtschaft aufgegriffen werden, um sie anschließend auf dem Markt zu verkaufen. Das hat gleich mehrere Folgen: Nicht nur die Wissenschaftler, sondern auch die Industrie soll an der Definition von Forschungsthemen mitwirken.

Da die Umsetzung von Forschungsergebnissen in Europa sehr stark von kleinen und mittleren Unternehmen getragen wird, fördert die EU-Kommission künftig auch die Wagnisfinanzierung. Dafür sind im Etat 3,5 Milliarden Euro vorgesehen.

Auch die wuchernde EU-Bürokratie soll zurückgefahren werden. Bei einer Befragung vor der Konzeption des neuen Förderprogramms „Horizon 2020“ hatten Wissenschaftler und Organisationen der Wirtschaft das in der Forschungsförderung als ein Haupthindernis bezeichnet. Künftig „wird mit vereinfachten Regeln und Verfahren der Verwaltungsaufwand reduziert“, teilt die EU mit. Bei der Erstattung der Kosten von Förderprojekten soll nur noch ein einheitlicher Pauschalsatz gelten. Es werden nur zwei Förderlinien abgerechnet: einmal für Forschung und das andere Mal für marktnahe Tätigkeiten. So will man Anreize bieten. Die Zeitspanne vom Tag der Antragstellung bis zum Eingang der Fördermittel soll um 100 Tage verkürzt werden.

Für Gesundheit und die alternde Gesellschaft werden acht Milliarden Euro bereitgestellt. Für umweltfreundlichen Verkehr und Transport 6,8 Milliarden Euro, die Sicherung der „sauberen Energie“ ist der EU-Kommission 5,7 Milliarden Euro wert. In die Abgasforschung und die Bio-Ökonomie werden 4,1 Milliarden Euro investiert, für die Gesellschaftsforschung 3,8 Milliarden Euro. Sechs Milliarden Euro werden in den Ausbau der Schlüsseltechnologien investiert. Dazu gehören Photonik, Mikroelektronik, Nanotechnologie, fortgeschrittene Werkstoffe und die Biotechnologie.

Die Rolle des Europäischen Forschungsrats ist nach Auskunft von Strohmeier für die Länder der EU immer wichtiger geworden. Denn der Forschungsrat begutachtet die Anträge auf Förderung aus EU-Mitteln. Deswegen erhält der Europäische Forschungsrat 13,2 Milliarden Euro. Für die Umsetzung von Forschungsergebnissen in Innovation wird das EIT (European Institute of Innovation and Technology) aufgewertet. Es soll grenzüberschreitende Wissens- und Innovationsgemeinschaften fördern. Seine Ausstattung mit 309 Millionen Euro wird auf erstaunliche 2,8 Milliarden Euro angehoben. Uwe Schlicht

0 Kommentare

Neuester Kommentar