Evolution : Ein uraltes, perfektes Auge

Ein besonders detailreiches Fossil zeigt: Facettenaugen waren schon vor 500 Millionen Jahren hoch entwickelt.

Augenaufschlag. Trilobiten konnten schon vor langer Zeit perfekt sehen.
Augenaufschlag. Trilobiten konnten schon vor langer Zeit perfekt sehen.Foto: Gennadi Baranov, Universität Tallinn, Estland

Augen gab es schon sehr lange bevor sich die ersten Menschen den Schlaf aus den eigenen reiben konnten: Vor über 500 Millionen Jahren glotzten Kreaturen mit Komplexaugen, die vergleichbar gut funktionierten wie heute bei Libellen oder Bienen. Das schließen Kölner Forscher aus der Untersuchung eines ungewöhnlich detailreichen Fossils aus dem Baltikum.

Feine Details überdauerten im Gestein

Schon die frühen Vorfahren von Krebsen und Insekten, die Trilobiten, hatten Komplexaugen aus Hunderten von Facetten. Ob es allerdings primitive Vorläufer oder bereits spezialisierte Versionen waren, ließ sich bisher nicht erkennen. Die Fossilien waren nicht fein genug, um innere Strukturen zu offenbaren.

Brigitte Schoenemann von der Universität hatte Glück. Im Fachblatt „PNAS“ beschreibt die Zoologin ein in Estland entdecktes Fossil der wohl ältesten Trilobiten-Art, Schmidtiellus reetae. Obwohl es kaum ältere Fossilien gibt, konnte Schoenemann viele Details im Auge erkennen: „Es ist wahrscheinlich der älteste Nachweis eines Sehsystems, das jemals untersucht werden kann.“ Das Komplexauge habe die gleichen Strukturen wie die Augen von Bienen und Libellen heute, aber die Linsen, die typisch für die moderneren Augen dieses Typs sind, fehlen.

Facettenaugen entwickelt sich vor weit über 500 Millionen Jahren

Auch wenn das Auge also ein Stück weit einfacher konstruiert war, haben sich die Grundzüge des Komplexauges schon vor der 500-Millionen Jahre-Grenze entwickelt – in einer Zeit, aus der es nur wenige Fossilien gibt. Die Frage des Begründers der Evolutionstheorie Charles Darwins, wie es „von einem unvollkommenen und einfachen zu einem vollkommenen und zusammengesetzten Auge durch natürliche Zuchtwahl“ kommen konnte, bleibt also noch weitgehend unbeantwortet.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben