Exobiologie : Auf der Suche nach unbekannten Lebensformen

10.08.2012 21:08 Uhrvon
Welt ohne Leben? Der Nasa-Rover „Curiosity“ sendet immer neue Bilder von der Oberfläche des Mars (hier eine Aufnahme vom 9. August). Bald soll er den Marsboden auch nach Hinweisen auf außerirdisches Leben untersuchen. Foto: dpa
Welt ohne Leben? Der Nasa-Rover „Curiosity“ sendet immer neue Bilder von der Oberfläche des Mars (hier eine Aufnahme vom 9. August). Bald soll er den Marsboden auch nach Hinweisen... - Foto: dpa

Auf dem Mars fahndet ein Roboter nach Molekülen des Lebens. Und auf der Erde testen Forscher Bakterien unter Extrembedingungen. Sie wollen beweisen, dass das Leben nicht nur ein Mal entstanden ist.

Geröll, Sand, Staub. Die Fotos, die der Nasa-Roboter „Curiosity“ seit seiner Landung auf dem Mars Anfang dieser Woche zur Erde schickt, gleichen denen, die auch andere Missionen geliefert haben. Eine steinige Ödnis, kalt, trocken, tot. Oder doch nicht?

Viele Forscher glauben, dass es auf unserem Nachbarplaneten Leben gibt oder zumindest früher einmal gab. Und nicht nur dort, auch auf anderen Himmelskörpern könnte es so etwas wie Leben geben, sagen vorsichtige Planetenwissenschaftler.

Muss, sagen die forscheren Forscher.

Bereits 1953 erhitzten Stanley Miller und Harold Urey in einem Glaskolben die mutmaßlichen Chemikalien der Uratmosphäre, simulierten Blitze und erhielten organische Verbindungen. Seitdem ist klar: Der Sprung von der unbelebten Chemie zur Biologie ist keine Hexerei. So eine Ursuppe könnte auf vielen Planeten köcheln.

Aber warum fanden sich dann bis heute keine Lebenszeichen jenseits der Erde? Vielleicht, weil es keines gibt. Es könnte aber auch daran liegen, dass die extraterrestrische Forschung noch jung ist. Wer in einer sternklaren Nacht in die unendlichen Weiten des Alls blickt, bekommt eine Ahnung davon, wie winzig der Wissenszuwachs ist, den unbemannte Flüge zu Mond oder Mars bisher gebracht haben. Noch dazu, wenn man sich überlegt, wie einfach die Analysegeräte aufgebaut waren, die vor allem in den Anfangsjahren auf Entdeckungsreisen geschickt wurden. Und ob der Mensch fremdes Leben überhaupt erkannt hätte, sei nicht klar, sagt der Astrobiologe Dirk Schulze-Makuch von der Washington State University in Pullman. „Es wurde zu stark nach Lebensformen gesucht, wie wir sie von der Erde kennen, und dabei hat man womöglich anderes Leben übersehen.“

Video: "Curiosity" ist erfolgreich gelandet

Wo genau die Grenze verläuft zwischen belebter und unbelebter Natur, sei eine der schwersten Fragen in der Astrobiologie, sagt Schulze-Makuch. Zunächst muss ein lebendes System räumlich begrenzt sein. „So wie wir Menschen von der Haut umschlossen sind oder ein Bakterium von einer Zellmembran“, sagt der Forscher. Das Gebilde muss sich chemisch und thermisch von seiner Umgebung unterscheiden. „Sobald ein Gleichgewicht herrscht, wäre man nämlich tot.“ Zweitens muss das Biosystem fähig sein, Energie umzuwandeln, um Arbeit zu verrichten, zum Beispiel um sich fortzubewegen. Und drittens muss es sich vervielfältigen und dabei Informationen codieren und an folgende Generationen weitergeben. Auf der Erde geschieht das sowohl mittels Desoxyribonukleinsäure (DNS), eines Moleküls, das die Erbsubstanz von Pflanzen und Tieren trägt, als auch mit Ribonukleinsäure (RNS), die von vielen Viren benutzt wird. „Hauptsache, das Prinzip der Informationsweitergabe bleibt erhalten“, fordert Schulze-Makuch. „Das könnte sogar eine Kette von Atomen sein, bei denen die Ausrichtung der einzelnen magnetischen Momente einem bestimmten Muster folgt – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.“

Die Geschichte des Marsroboters "Curiosity"

Was den Mars betrifft, muss der Lebensbegriff gar nicht so weit gefasst werden, findet Schulze-Makuch. „Im kosmischen Vergleich sind die Bedingungen dort denen der Erde recht ähnlich, darum dürften auch marsianische Lebewesen den irdischen ähneln.“ Vorausgesetzt, unser Planet brächte, wenn er noch mal von vorn beginnen könnte, ähnliche Biosysteme hervor, wie wir vor Augen haben. Selbst das ist nicht sicher und erweitert die Palette der Möglichkeiten.

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