• Experimente an der Uni Zürich: Hirnforscher macht Schummler mit Gleichstrom ehrlicher

Experimente an der Uni Zürich : Hirnforscher macht Schummler mit Gleichstrom ehrlicher

Mittels leichter elektrischer Impulse durch die Schädeldecke lässt sich das Gehirn so manipulieren, dass Menschen ehrlicher agieren. Zu diesem Ergebnis kommen Experimente eines Zürcher Forschers.

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Mit einer transkranialen Gleichstromstimulation lassen sich gezielt bestimmte Bereiche des Gehirns beeinflussen - wie hier an der Charité Berlin das Sprachzentrum für Therapiezwecke, oder an der Universität Zürich eine Region, die in die Entscheidung für oder gegen Schummeln involviert ist.
Mit einer transkranialen Gleichstromstimulation lassen sich gezielt bestimmte Bereiche des Gehirns beeinflussen - wie hier an der...Foto: Charité Berlin / Flöel

„Ehrlich währt am längsten.“ Dieser Spruch, der von der notorisch lügenden Romanfigur „Baron von Münchhausen“ stammt, ist wohl nur eine Redensart. Menschen schummeln nun mal, wenn sie einen Vorteil wittern. Wie sich das Gehirn jedoch für oder gegen ehrliches Verhalten entscheidet, war bislang unbekannt.

Hirn mit Strom ehrlicher gemacht

Christian Ruff von der Universität Zürich hat nun in Experimenten gezeigt, dass sich das Schummeln abstellen und die Ehrlichkeit fördern lässt – mit Hilfe von leichten elektrischen Impulsen durch die Schädeldecke hindurch, der transkranialen Gleichstromstimulation (tDCS). Er ließ 145 Studenten ein Spiel spielen, bei dem sie mehr gewinnen konnten, wenn sie schummelten. Legten die Forscher aber mittels tDCS eine Region im rechten dorsolateralen Präfrontalcortex des Gehirns lahm, schummelten die Studenten mehr als die Hälfte seltener. Anderes Verhalten wie Risikobereitschaft oder Moralvorstellungen seien wurde nicht gestört.

In einem zweiten Experiment mit 156 Studenten fand Ruff heraus, dass die Stimulation nur jenes Schummeln unterdrückte, das den Spieler selbst, nicht aber andere Spieler bevorteilt hätte. Offenbar gibt es im Gehirn spezialisierte Prozesse und Strukturen, die entscheiden, ob man sich in einer Situation ehrlich oder unehrlich verhalten soll, schreibt Ruff im Fachblatt „PNAS“.

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